Mass Response Services: Einstellungen in Causa TV-Shows

30. Oktober 2015, 08:00
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Justiz legt Verfahren gegen 82 Beschuldigte ad acta

Wien – Abseits aller Scheinwerfer ermittelt die Staatsanwaltschaft (StA) Wien immer noch in der Causa Fernseh-Gewinnshows. Den Beschuldigten wird vorgeworfen, mittels Fake-Anrufern und manipulierter Technik Scheingewinne ausgezahlt und zurückgeholt zu haben – und die Einnahmen der fünf involvierten Gesellschaften in die Höhe geschraubt zu haben. Es geht um den Verdacht auf schweren und gewerbsmäßigen Betrug, bzw. Beihilfe dazu. Ende 2014 wurden drei Beschuldigte vorübergehend in Untersuchungshaft genommen. Laut Gutachten geht es um einen Schaden von mehr als 24 Millionen Euro. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Die Causa, seit 2010 anhängig, kann getrost als riesig bezeichnet werden; jedenfalls in Bezug auf die Beschuldigtenzahl. Es wurde gegen bis zu rund 140 Leute ermittelt, zwischendurch kam es zu Einstellungen wegen Verjährung.

Anfang September hat die StA einen ganzen Schwall an Ermittlungen eingestellt: das Verfahren gegen 83 Personen. Aus dem Einstellungsbeschluss geht die Breite des (Ex-)Beschuldigtenspektrums hervor. So hat die Justiz nicht nur gegen Entscheidungsträger der fünf involvierten Gesellschaften, gegen Producer und Sendungsverantwortliche ermittelt, sondern so gut wie gegen alle, die mit den oft "Abzock-Shows" genannten Sendungen zu tun hatten.

Fehlender Vorsatz

Konkret: Eingestellt wurde das Verfahren gegen 26 Kameraleute bzw. Bildmeister, gegen 29 Call-Operator (nahmen die Anrufe an) sowie 28 Moderatoren. Sie alle hatte man verdächtigt, "einen Beitrag zu betrügerischen Manipulationen" der Sendungen geleistet zu haben. Nach jahrelangen Ermittlungen kam die StA Wien zum Schluss, dass den Betroffenen der Vorsatz zur "Beteiligung ... an Manipulationen ..., Austausch von Lösungen, falsche Auszählung ..., Einschaltung instruierter Anrufer oder Gewinnausspielungen an Scheingewinner" gefehlt hat. Und zwar schon deswegen, weil ihnen "keinerlei Entscheidungskompetenz ... zukam und sie ausschließlich auf Anweisungen des ... Producers zu handeln hatten".

Weitergeht das Verfahren laut einer Sprecherin der StA Wien gegen rund 40 Beschuldigte. Darunter sind Produktionsverantwortliche, "instruierte Anrufer" und Scheingewinner, wie aus dem Schriftsatz der StA hervorgeht.

In Österreich ist die einstige Telekom-Tochter Mass Response Services involviert, deren Exmiteigentümer ebenfalls in U-Haft gesessen ist. Die Mass Response hat sich dem Verfahren, wie berichtet, als Privatbeteiligte angeschlossen. (Renate Graber, 30.10.2015)

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