Bombardier baut Milliardenverlust

30. Oktober 2015, 05:30
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Die Provinz Quebec springt der Flugzeugsparte des kanadischen Verkehrstechnik-Konzerns Bombardier bei. Die Bahndivision will mit dem Vorzeigeschnellzug Frecciarossa neue Absatzmärkte erschließen

Montreal/Mailand – Der kanadische Flugzeug- und Bahnbauer Bombardier baute einen Milliardenverlust, und die Politik springt ihm bei. Die Regierung der Provinz Quebec wird eine Milliarde Dollar in die krisengeplagte Flugzeugsparte investieren, konkret in die C-Serie, teilte der Konzern am Donnerstag mit. Der neue Jet, der unter anderem bei der Lufthansa-Tochter Swiss zum Einsatz kommen soll, ist deutlich teurer und kommt viel später als geplant.

Quebec wird 49,5 Prozent an einem Joint Venture zur Rettung der Flugzeug-Reihe halten. Hohe Abschreibungen in der Flugzeugsparte zogen Bombardier im dritten Quartal tief in die roten Zahlen. Unterm Strich steht ein Verlust von 4,9 Milliarden US-Dollar (4,4 Milliarden Euro), wo im Vorjahr noch 74 Millionen Dollar Nettogewinn ausgewiesen wurden.

In der Luft hängen nun die Börsenpläne für die Bahnsparte. Mit ihnen sollte Geld zu den Flugzeugen gespült werden. Der Börsengang wurde aufgrund schlechten Umfelds allerdings abgesagt.

Erfolgsdruck auf der Bahnsparte

Auf der Bahnsparte lastet nun besonderer Erfolgsdruck. Als Zugpferd hat Bombardier den Superschnellzug Zefiro V300 im Stall. Er flitzt seit Sommer als roter Pfeil (Frecciarossa) zwischen Rom und Mailand, wo er die 570 Kilometer in knapp drei Stunden herunterspult. Laut Prospekt könnte er noch schneller sein, denn der von der Staatsbahn Trenitalia betriebene Frecciarossa ist für bis zu 380 km/h ausgelegt. Für das geplante Tempo 360 km/h reicht die Infrastruktur zwischen Florenz und Rom aber (noch) nicht, der Teilabschnitt mit italienischem Gleichstromsystem erlaubt als maximales Tempo nur 250.

Der Zug mit Vier-Klassen-Gesellschaft (Economy, Business, Premium, Executive) kann es mit Inlandsflügen locker aufnehmen. Stundenlange Anfahrts- und Wartezeiten entfallen, er bringt Fahrgäste nonstop von Stadtzentrum zu Stadtzentrum. Im Ticketpreis von 200 Euro pro Zugfahrt und Richtung in der dünn bestuhlten Executive-Class (zehn dreh- und schwenkbare Lederfauteuils pro Wagen) ist Verpflegung inklusive. 50 dieser High-Speed-Züge hat Trenitalia um 1,6 Milliarden Euro bestellt, bis Frühjahr 2017 wird er ausgeliefert, "der schnellste Zug Europas", sagte Bombardier-Italien-Chef Luigi Corradi anlässlich einer Präsentation in Mailand.

Als Hoffnungsmarkt für den 200 Meter langen Zug für rund 470 Fahrgäste gilt Bombardier die Türkei, wo bereits rund 12.000 Kilometer Schiene auf Highspeed getrimmt wurden. Für Österreich, wo sich Intercity- und Eurocity-Züge dem Ende ihres Lebenszyklus nähern und die ÖBB 2016 den Fahrzeugkauf ausschreiben wird, kommt der "Rote Pfeil" nur bedingt infrage. Quasi in einer abgespeckten Konfiguration ab 250 km/h, wie Bombardier-Österreich-Geschäftsführer Christian Diewald einräumt. Dafür wären allerdings allein auf der Weststrecke Millioneninvestitionen nötig. (Luise Ungerboeck, 30.10.2015)

Die Reise nach Italien erfolgte auf Einladung von Bombardier.

  • Noch fährt der rote Pfeil von Bombardier, Frecciarossa, zwischen Mailand und Rom nicht so schnell, wie er könnte.
    foto: imagoimago/matteo gribaudi

    Noch fährt der rote Pfeil von Bombardier, Frecciarossa, zwischen Mailand und Rom nicht so schnell, wie er könnte.

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