Wien Energie: Zinstief treibt Pensionslasten hoch

29. Oktober 2015, 17:41
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Für 980 Pensionisten und 650 Mitarbeiter im Beamtenstatus muss die Wien Energie höhere Rückstellungen bilden

Wien – Die anhaltende Tiefzinsphase macht auch Unternehmen wie Wien Energie zunehmend zu schaffen. Wie viele andere Betriebe, die Beiträge für ihre Mitarbeiter nicht direkt in einer Pensionskasse veranlagen, muss auch Österreichs größtes Energieverteilunternehmen seine Rückstellungen erhöhen.

Bei Wien Energie geht es um Vorsorgen für rund 1.500 Personen – 650 Mitarbeiter im Beamtenstatus und etwa 980 aktive Pensionisten. Thomas Irschik, Chef der insgesamt 2.700 Mitarbeiter beschäftigenden Wien Energie, sprach bei der Präsentation der Halbjahreszahlen von einem "spürbaren, zweistelligen Euro-Millionenbetrag", um den das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) im Gesamtjahr 2015 wohl gedrückt werde.

Pensionsverpflichtungen

Die Wiener Stadtwerke und damit auch die Wien Energie GmbH haben im Zuge der Ausgliederung die Pensionsverpflichtungen der Stadt Wien übernommen. Schon 2013 musste Wien Energie Nachdotierungen für die Pensionsvorsorgen vornehmen, der kalkulatorische Zinssatz wurde damals bei 2,5 Prozent fixiert. Inzwischen sind die Zinsen weiter gefallen.

"Wir sind mit einer steigenden Zahl von Anfragen konfrontiert, viele Unternehmen sind betroffen", sagte René Gunst vom Beratungsunternehmen Mercer dem STANDARD. Klar sei, dass die von AFRAC (Austrian Financial Reporting and Auditing Committee) empfohlene neuerliche Umstellung der Bilanzierungsregeln die Vergleichbarkeit zwischen den Unternehmen erhöhe. Gunst geht davon aus, dass künftig ein Zinssatz zwischen 1,0 und 1,5 Prozent zur Anwendung kommen wird.

Das Gespräch mit den Wirtschaftsprüfern laufe, abhängig von der Zinsentwicklung bis Jahresende werde man dann Klarheit über das genaue Ausmaß der Belastung haben, sagte Irschik.

Kollektivvertrag

Seit 1. Juli 2001 werden neue Mitarbeiter bei Wien Energie ausschließlich nach Kollektivvertrag angestellt. Nur mehr einer von vier Beschäftigten ist definitiv gestellt. Im ersten Halbjahr 2015 hat das Unternehmen dank eingeleiteter Kostensenkungsmaßnahmen sowie günstigerer Strom- und Gasbezüge ein deutlich besseres Ergebnis erzielt als zuletzt. Bei einem um 2,2 Prozent auf 954,8 Millionen Euro gestiegenen Umsatz kletterte der Gewinn (EGT) auf 84,5 Millionen Euro. Im Vergleichszeitraum 2014 lag das EGT noch bei 25,9 Millionen Euro.

Mit dem Ergebnisverbesserungsprogramm E17, das bis 2017 insgesamt 86 Millionen Euro zusätzlich generieren soll, sei man auf einem guten Weg, sagte Irschik. Nach Erfolgen mit Bürgerbeteiligungsmodellen bei Windkraft soll dies nun bei Photovoltaik wiederholt werden. (stro, 29.10.2015)

  • Eine tragfähige Brücke in die Pension: Wien Energie (im Bild die Konzernzentrale nahe dem Donaukanal) muss Rückstellungen erhöhen.
    foto: robert newald

    Eine tragfähige Brücke in die Pension: Wien Energie (im Bild die Konzernzentrale nahe dem Donaukanal) muss Rückstellungen erhöhen.

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