Ende von Chinas Ein-Kind-Politik: Schneller alt als reich

Kommentar29. Oktober 2015, 17:21
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Das rudimentäre Rentensystem schafft finanziellen und sozialen Druck

Sensationell ist nicht, dass Peking die Ein-Kind-Politik abgeschafft hat. Sensationell ist, dass dies – auch nach deren sukzessiver Lockerung in den vergangenen Jahren – so abrupt passiert ist. Das weist auf einen deutlich höheren demografischen und sozialen Druck in China hin, als es von außen beobachtet den Anschein haben mag.

Schätzungen zufolge hat die Ein-Kind-Politik in knapp vier Jahrzehnten an die 400 Millionen Geburten verhindert und so die demografische Wachstumskurve flachgehalten. Die vielfach gnadenlos durchgesetzte Regelung hatte entscheidenden Anteil an der Verringerung der Armut in China und der rasanten Entwicklung des Landes. Inzwischen aber sind mehr als 30 Prozent der Chinesen über 50 Jahre alt, gleichzeitig musste zuletzt etwa die Hälfte aller Volksschulen mangels Nachwuchs geschlossen werden.

Auch wenn Peking sich bemüht, ein rudimentäres Rentensystem für die breite Masse zu schaffen – China wird schneller alt als reich. Das bedeutet, dass nicht ausreichend staatliche Mittel für die zu erwartenden Massen an Pensionisten da sind und deren Altersversorgung auf einer Generation bedauernswerter Einzelkinder lastet, die für ihre beiden Eltern und sehr oft ihre vier Großeltern sorgen werden müssen. Das schafft nicht nur finanziellen, sondern – in einer dermaßen vom Senioritätsprinzip bestimmten Gesellschaft wie China – auch sozialen Druck. Druck, der auch politische Sprengkraft entwickeln könnte. (Christoph Prantner, 29.10.2015)

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