The Sonics: Exorzismus und Benzin

29. Oktober 2015, 16:51
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Benzindämpfe, Hormone und Stromgitarren. Die US-Band gilt als eine der besten Formationen des Garagenrock der 1960er. Am Sonntag geben sie in der Wiener Arena rezeptfrei Strychnin aus

Wien – In den 1960er-Jahren bemerkte die US-amerika nische Nachkriegsjugend, dass man in Dads Garage nicht nur am Auto schrauben konnte, sondern auch die Stromgitarre regensicher einstecken konnte.

Die dergestalt kanalisierte Energie bescherte der Welt den Garagenrock. Diesen prägten oft forsche Machbarkeitsstudien, die eine Mischung aus Hormonen, Dieseldämpfen und Kostproben aus Mums Apotheke oft einmal an den Rand des Wahnsinns führte. Oder weiter.

Eine der diesbezüglich nachhaltigsten Bands sind The Sonics. Sie spielen am Sonntag in der Wiener Arena. Gegründet 1960 in Tacoma im US-Bundesstaat Washington, spielten sie von Beginn an einen derben Rock ’n’ Roll. Die Gitarren waren auf Fuzz gestimmt, das Saxofon auf Sex, die restlichen Zutaten stammten vom Twist, dem Surf oder dem R’n’B. Das Schlagzeug knatterte wie eine Maschinenpistole, und Gerry Roslie schrie sich die Texte aus dem Leib, als gelte es, den Teufel auszutreiben.

Diese Darbietung war derart angestochen, dass man heute von Protopunk spricht. Mit Titeln wie The Witch, dem bis heute unwidersprochenen Psycho oder der Ode an die Freuden des Strychnine eroberten sie ab 1965 eine kleine, aber treue Fangemeinde.

Ende der 1960er war zwar Schluss, doch nachgeborene Künstler und Fans wie The Cramps, The Fall, The Fuzztones und ein paar hundert mehr pflegten das Andenken an die Sonics. Peter Kember von Spacemen 3 nennt sich gar nach dem zweiten Album der Band Sonic Boom. Aber das sind Fußnoten.

Nach diversen Reunions und beständigen Wie derveröffentlichungen erschien heuer im_Frühjahr gar ein neues Album: This Is The Sonics. Mittlerweile im rüstigen Großvateralter angelangt, wollen sie es noch einmal wissen. Neben Jerry Roslie sind mit Larry Parypa und Rob Lind zwei Originalmitglieder dabei, und über Freddie Dennis (The Kingsmen) oder Dusty Watson (Agent Orange und Boo Ya Tribe, kein Scherz!) darf man sich auch nicht wirklich beklagen. (Karl Fluch, 29.10.2015)

The Sonics: 1. 11. Arena Wien, 3., Baumgasse 80, 20.00

  • So gesittet ging es früher nicht zu, aber wir werden ja alle nicht jünger. Am Sonntag gastieren The Sonics in der Arena. Da wird’s noch einmal wild.
    foto: arena

    So gesittet ging es früher nicht zu, aber wir werden ja alle nicht jünger. Am Sonntag gastieren The Sonics in der Arena. Da wird’s noch einmal wild.

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