Der mysteriöse Tampon

30. Oktober 2015, 13:36
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Inhaltsstoffe von Tampons im Dunkeln, Anne-Marie Slaughter meldet sich mit einem Buch zurück, und eine Untersuchung zeigt, dass Frauen im Kino mehr Geld einspielen

Alte Themen im Diskursradl: Anne-Marie Slaughter ließ im Sommer 2012 die Bombe platzen. Die US-amerikanische Politikwissenschafterin schrieb nach zwei Jahren als Director of Policy Planning des Planungsstabs im US-Außenministerium den vielbeachteten Artikel "Why Women Still Can't Have It All". Mit "alles" sind Karriere und Kind gemeint. Die einen feierten den Text als endlich ausgesprochene Wahrheit, andere sahen darin die völlige Resignation davor, dass gesellschaftliche Strukturen veränderbar sind. Der Blog "Fuckermothers" sieht nun Slaughters Resümee, dass Vereinbarkeit für Frauen nicht machbar sei, etwas korrigiert.

In einem Interview in der "Washington Post" legt Slaughter den Fokus auf den Wert von Sorgearbeit, die endlich die gleiche Anerkennung wie andere Jobs erhalten müsse. Für die Frauenbewegung ein alter Hut, heißt es auf "Fuckermothers", doch Slaughter würde in dem Interview die gesamte Frauenbewegung mit dem in den USA sehr starken liberalen feministischen Flügel verwechseln. Dieser sieht vor allem über die Erwerbsarbeit und Karriere, wie sie Männer machen, den Weg zu Gleichberechtigung. Ein schon lange kritisierter Ansatz, dessen Fehler nun auch Slaughter in ihrem Buch "Unfinished Business" zu entdecken scheint.

Schleierhafter Tampon: Er ist vielen Frauen ein treuer und intimer Partner, ist meistens verlässlich und sorgt für eine unkomplizierte Periode. Der Tampon ist beliebt. Weniger ist es die Frage, woraus Tampons eigentlich bestehen, welche Materialien, welche Chemikalien sich in dem Hygieneartikel versammeln, der immerhin bis zu eine Woche pro Monat in der Vagina von Tamponnutzerinnen rumhängt, wie das Magazin "Bust" schreibt. Eine genaue Auflistung der Materialien auf den Verpackungen gibt es nicht, der Protest einer Frau veranlasste den Konzern Procter & Gamble lediglich zu vagen Angaben, die Frauen nicht genügend Information zu Verfügung stellen, um eine Entscheidung zu treffen. Mehr unabhängige Forschung wäre daher nötig, schreibt "Bust". "Vaginas sind ein Faktum des Lebens und kein Mysterium. Eine Marke zu wählen sollte eine Entscheidung sein, die auf ausreichenden Informationen basiert."

Was heißt "Familie": In der Mediathek des WDR ist aktuell der "West Art Talk" zum Thema "All you need is love!? – Was bedeutet Familie heute?" zu sehen. Mit dabei etwa die Kulturwissenschafterin und Autorin Sarah Diehl und der Autor Jochen König, die beide über alternative Familienmodelle schreiben und sie auch leben. Auch Diskutantinnen, die es lieber traditionell halten, sind dabei – herausgekommen ist eine interessante Debatte, die verschiedenste Perspektiven und Lebensweisen versammelt. Es ist nicht oft zu sehen, dass derart emotionale Themen wie Erziehung, Patchwork-Familien und Beziehungsmodelle so ruhig und besonnen durchdiskutiert werden.

Viele Frauen, viel Kohle: Filme mit zentralen weiblichen Charakteren bringen kein Geld? Diese Ausrede fällt nun flach. Laut einer Untersuchung der Einspielergebnisse von Filmen, die zwischen 2006 und 2015 in die Kinos kamen, liegen "Frauenfilme" vorne: Während Kassenschlager wie "Harry Potter" durchschnittlich 80,6 Millionen Dollar einspielten, spielte ein Kinoerfolg, in dem eine oder mehrere Frauen eine tragende Rolle spielen, 126,1 Millionen Dollar ein – satte 45,5 Millionen mehr. Genaueres zu der Untersuchung gibt es hier. Dann kann sich Hollywood ja auf "Ghostbusters 3" freuen, der im Sommer 2016 bei uns zu sehen sein wird. Im dritten Teil gehen Kristen Wiig, Melissa McCarthy, Leslie Jones und Kate McKinnon auf die Jagd, was viele Fans ärgerte. Paul Feig, Regisseur und Drehbuchautor des Films, hatte nach zahllosen Anfeindungen wegen des weiblichen Casts im September schließlich die Nase voll:

(red, 30.10.2015)

dieWochenschau versammelt einige feministische Debatten und Ereignisse der vergangenen Woche, die in Blogs, sozialen Medien oder anderen Zeitungen aufgetaucht sind.

  • Die Besetzung der "Ghostbusters"-Neuauflage" (von links): Leslie Jones, Melissa McCarthy, Kristen Wiig und Kate McKinnon.
    foto: handout / sony pictures

    Die Besetzung der "Ghostbusters"-Neuauflage" (von links): Leslie Jones, Melissa McCarthy, Kristen Wiig und Kate McKinnon.

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