Der neue Star der US-Republikaner

Kommentar29. Oktober 2015, 12:42
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Marco Rubios Sieg über Jeb Bush in der TV-Debatte macht ihn zum Favoriten

TV-Debatten im amerikanischen Vorwahlkampf haben meist Zirkuscharakter, aber mit ernsthaften Konsequenzen. Während die Debatten im eigentlichen Wahlkampf nur noch wenige Stimmen verschieben, können in diesem frühen Stadium Favoriten durch einen verbalen Fehltritt untergehen, während andere den Grundstein für den späteren Wahlsieg legen.

In der dritten Debatte der Republikaner ist genau das eingetreten: Die Kandidatur des einst als Favorit gehandelten Jeb Bush ist am Ende, dafür hat sein früherer Schützling Marco Rubio seine Chancen auf die Nominierung deutlich erhöht.

Und das muss auch Hillary Clinton zu denken geben. Denn der junge, eloquente, erzkonservative Spross kubanischer Einwanderer ist bei weitem der stärkste Kandidat der Republikaner und könnte der demokratischen Favoritin in einem Jahr höchst gefährlich werden.

Verbales Duell mit klarem Sieger

Was genau ist da auf der Bühne in Boulder, Colorado geschehen? Bush, der unter Druck stand, einmal in einer Debatte Stärke zu zeigen, kritisierte recht unvermittelt Rubio, weil dieser zu viele Abstimmungen im Senat schwänzt. Und Rubio parierte den Angriff meisterhaft, indem er das aussprach, was sich viele Politikinteressierte in diesem Augenblick dachten: "Jemand hat dich davon überzeugt, dass es dir helfen wird, mich anzugreifen." Er wirkte gelassen und authentisch, Bush verbissen und ferngesteuert.

Rubio liegt in den Umfragen immer noch weit hinter den Führenden, Immobilientycoon Donald Trump und Neurochirurg Ben Carson. Aber er ist laut den von der Website "Real Clear Politics" ermittelten Durchschnittswerten bereits der Spitzenreiter unter den Kandidaten mit politischer Erfahrung.

Weder Trump noch Carson

Und auch wenn immer mehr Beobachter es nicht ausschließen, dass Trump tatsächlich für die Republikaner ins Rennen geht, ist dieses Szenario doch recht unwahrscheinlich. Denn am Ende entscheidet sich die Partei für einen Anwärter mit realen Chancen auf den Sieg.

Ein Präsidentschaftskandidat Carson ist noch unwahrscheinlicher. Und weder Trump noch Carson haben in der Debatte besonders gut abgeschnitten.

Bush war einst der Mann des republikanischen Establishments. Aber inzwischen fällt ihm auch das Spendensammeln schwer. Selbst wenn er noch länger im Rennen bleibt, wird er weiter Zuspruch verlieren.

Und Rubio kann nach dieser Nacht in Colorado beginnen zu träumen, dass er als Barack Obama der Rechten ins Weiße Haus einziehen wird. (Eric Frey, 29.10.2015)

  • Marco Rubio (re.) parierte Jeb Bushs Angriff geschickt.
    foto: afp/beck

    Marco Rubio (re.) parierte Jeb Bushs Angriff geschickt.

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