Zehn Jahre Haft für Mordversuch an neunjähriger Tochter

29. Oktober 2015, 18:41
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34-Jährige geständig – Urteil des Landesgerichts Korneuburg rechtskräftig

Korneuburg/Mistelbach – Wegen Mordversuchs an ihrer Tochter ist eine 34-Jährige am Donnerstag am Landesgericht Korneuburg rechtskräftig zu zehn Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Sie hatte Ende Mai versucht, die Neunjährige nach Verabreichung eines Medikaments zu ersticken.

Der Schuldspruch der Geschworenen, die damit der Anklage folgten, fiel mit sieben zu eins. Die Verteidigung hatte auf versuchten Totschlag bzw. untauglichen Versuch plädiert. Erschwerend für die Strafbemessung war laut Richter Martin Bodner kein Umstand, mildernd das Geständnis, der bisherige ordentliche Lebenswandel, die durch selbst eingenommene Schlafmittel eingeschränkte Dispositionsfähigkeit der Angeklagten und, dass es beim Versuch blieb. Das Kind, das heute beim geschiedenen Vater lebt, hatte die Angriffe abwehren können.

Staatsanwältin Gudrun Bischof zufolge hatte die Angeklagte unter den Affären ihres Mannes gelitten, nach der Scheidung aber eine On-Off-Beziehung weitergeführt: "Sie konnte nicht loslassen." Als ihr Ex-Mann Mitte Mai 2015 ankündigte, an der Erstkommunion seines Neffen in Begleitung seiner Freundin zusammen mit seiner Tochter teilnehmen zu wollen, habe die gekränkte Frau Abschiedsbriefe verfasst, in denen u.a. stand, er solle leiden.

Kind holte selbst Hilfe

Am Abend vor diesem Familienfest löste die 34-Jährige Beruhigungsmittel in Fanta auf, das sie der Neunjährigen vor deren Zu-Bett-Gehen zu trinken gab, ehe sie selbst Schlaftabletten einnahm. Als sie ihrem Kind dann einen Polster auf das Gesicht drückte, wurde es wach und wehrte sich. In der Folge holte die Angeklagte Folien aus der Küche und schlug ihrer Tochter das "Spiel" vor, diese auf Mund und Nase zu legen, um zu testen, wer länger die Luft anhalten könne. Die Neunjährige befreite sich – und holte angesichts ihrer bereits bewusstlosen Mutter die Nachbarin zu Hilfe.

Aus psychologischer Sicht sei das Verhalten der Frau paralogisch und nicht nachvollziehbar. Sie sei aber zurechnungsfähig gewesen, betonte Bischof.

Kristina Venturini, die Verteidigerin hatte die 34-Jährige auch bei der Scheidung vertreten, sprach von einem langen Leidensweg ihrer Mandantin. Diese habe eigentlich nach der Trennung mit der Beziehung abgeschlossen, aber der Kindesvater habe ein "Spiel" mit ihr begonnen. Die Frau hatte daher auch nach der Scheidung auf ein gemeinsames Leben gehofft. Sie habe ihn geliebt und wurde 2015 wieder schwanger von ihm. Seine Reaktion: er wünschte eine Abtreibung. Im März verlor sie dann das Kind, der Ex-Mann wandte sich neuerlich von ihr ab, dazu kamen finanzielle Existenzängste. Als sie beschloss, die Tochter nicht zu dem Familienfest gehen zu lassen, habe der Mann gedroht, ihr das Kind wegzunehmen, schilderte die Anwältin die Verzweiflung ihrer Mandantin.

Keine Gründe für Einweisung

Aus psychiatrischer Sicht war die Angeklagte zurechnungsfähig, und es würden auch keine Gründe für eine Einweisung in eine Anstalt vorliegen, sagte Gerichtspsychiater Werner Brosch. Wenngleich er durchaus neurotische Elemente in der konfliktbeladenen Beziehung zu ihrem früheren Ehemann feststellte, habe zum Tatzeitpunkt keine massive emotionale Ausnahmesituation bestanden.

Die Frau hatte keine psychische Störung und sei zudem weder durch Alkohol noch Medikamente gravierend beeinträchtigt gewesen. Sie habe ihm bei der Befragung klar geschildert, was an jenem Abend in ihr vorgegangen war, so Brosch. Den forensisch-chemischen und medizinischen Gutachten zufolge hatten die eingenommenen Mittel von ihrer Konzentration her eine dämpfende, beruhigende Wirkung.

Ihre Tochter sei eine gute Mutter gewesen, ihren Ex-Mann habe sie"bis zum Schluss" geliebt, sagte die Mutter der Angeklagten. Deren neuerliche Beziehung zu ihrem geschiedenen Mann hatte die Zeugin allerdings nicht gutgeheißen. Ihrer Schwangerschaft zu Jahresbeginn hatte die 34-Jährige der Mutter und auch der Schwester verschwiegen. Diese hatte, wie sie dem Gericht erzählte, auf Bitte der 34-Jährigen wegen des Ausflugs in die Therme den Hund aus der Wohnung geholt. Dabei fand sie den Brief, der mit "... ich kann nicht mehr" schloss. Sie habe aber nichts Schlimmes befürchtet, verwies die Zeugin auf eine angedachte Übersiedlung ihrer Schwester. "Jemand zieht am Pfingstmontag überfallsartig um?" wunderte sich der Richter über einen derartigen Gedankengang. (APA, 29.10.2015)

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