Deutsche Arbeitslosenzahl auf 24-Jahres-Tief

29. Oktober 2015, 14:20
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2,65 Millionen Erwerbslose, Arbeitslosenquote auf sechs Prozent gefallen

Nürnberg – In Deutschland sind so wenige Menschen arbeitslos wie seit fast 24 Jahren nicht mehr. Zugleich verzeichnet die Bundesagentur für Arbeit Rekorde bei Erwerbstätigkeit und Arbeitsplätzen. Erstmals gibt es über 31 Millionen sozialabgabenpflichtig Beschäftigte, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag mitteilte.

"Der Arbeitsmarkt hat sich im Oktober gut entwickelt", sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. 2016 werde die Arbeitslosigkeit durch die hohe Flüchtlingszahl zwar steigen. Langfristig seien die Flüchtlinge aber eine Bereicherung für den Arbeitsmarkt.

Bei der BA waren im Oktober 2,649 Millionen Erwerbslose registriert. Das waren 59.000 weniger als im September und 83.000 weniger als vor einem Jahr. Unter 2,7 Millionen Arbeitslose gab es zuletzt im November 1991. Die Arbeitslosenquote sank im Oktober auf 6,0 Prozent. Ein Rückgang der Arbeitslosenzahl ist im Oktober als Folge der Herbstbelebung nach der Sommerpause üblich. "Die Arbeitslosigkeit könnte im November sogar noch etwas sinken", sagte Weise. Über den Winter seien drei Millionen Arbeitslose nicht ausgeschlossen.

Mehr Beschäftigung

Auch unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Schwankungen ging die Erwerbslosigkeit laut BA binnen eines Monats um 5.000 zurück. Die Zahl der Erwerbstätigen im Inland erreichte im September mit 43,40 Millionen ein Rekordhoch. Das waren 381.000 mehr als ein Jahr zuvor. Die Beschäftigung stieg im August nach BA-Berechnungen im Jahresvergleich um 691.000 auf 31 Millionen.

Arbeitsmarkt und Beschäftigung entwickeln sich noch besser als im vorigen Jahr erwartet. Die BA kann zum Jahresende voraussichtlich ein Milliarden-Finanzpolster aufbauen, weil sie weniger ausgibt als geplant. Ende Oktober stand sie um 2,8 Mrd. Euro besser da als im Plan vorgesehen.

Deutschlands Arbeitsministerin Andrea Nahles verwies darauf, dass man von etwa einer Million offenen Stellen ausgehen könne. "Bessere Voraussetzungen können wir uns kaum wünschen, damit viele Menschen eine gute Beschäftigung finden", erklärte Nahles. "Der Schlüssel dazu liegt in passgenauer Unterstützung und Qualifizierung." Sowohl Langzeitarbeitslose wie auch Flüchtlinge bekämen "eine faire Chance auf einen Neustart in Deutschland".

Grünen-Politikerin Brigitte Pothmer warf Nahles vor, sie habe "den Jobcentern noch keinen Cent und keine Stelle mehr für die Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen zur Verfügung gestellt". Bei der Bekämpfung der Zahl von über einer Million Langzeitarbeitslosen könne Nahles keine Erfolge vorweisen.

Die Bundesagentur legte auch die Ausbildungsbilanz für 2015 vor. Demnach waren mit Beginn des Ausbildungsjahres 20.700 bei ihr registrierte Lehrstellenbewerber noch ohne Stelle. Gleichzeitig habe es Ende September noch 41.000 freie Ausbildungsplätze gegeben. Die Zahl der Bewerber sei leicht rückläufig gewesen, während die Zahl der Ausbildungsangebote vor allem in Betrieben gestiegen sei. Die Spitzenverbände der Wirtschaft erklärten, bis Ende September seien fast 475.000 neue Lehrverträge abgeschlossen worden. Trotz sinkender Bewerberzahlen und des ungebrochenen Trends zum Studium seien das nur 0,2 Prozent weniger als im vorigen Jahr. (APA, Reuters, 29.10.2015)

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