Scharfe Töne in dritter TV-Debatte der US-Republikaner

29. Oktober 2015, 10:51
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Zehn Republikaner wetteifern um die US-Präsidentschaftskandidatur, das neue Motto: alle gegen Trump und Carson

Boulder – Die zehn bestplatzierten Bewerber um die republikanische Präsidentschaftskandidatur in den USA haben sich am Mittwoch eine dritte Fernsehdebatte geliefert. Dabei schossen sich die Rivalen vor allem auf die in den Umfragen führenden Anwärter Donald Trump und Ben Carson ein. Deren Pläne zu drastischen Steuersenkungen kritisierten sie als "Fantastereien".

Millionen Zuschauer verfolgten die zweistündige Debatte im Sender CNBC. Trump wurde gleich zu Beginn der Debatte in der Universität von Colorado in Boulder von seinen Mitbewerbern angegriffen. "Wir sind dabei, jemanden auszuwählen, der nicht fähig ist, diese Aufgabe zu erledigen", sagte John Kasich, Gouverneur von Ohio. "Leute, wir müssen aufwachen." Die Republikaner müssten jemanden ins Rennen schicken, der Erfahrung habe.

Aggressive Rhetorik

Sowohl Trump als auch der frühere Neurochirurg Carson, der einzige Afroamerikaner in der Runde, sind Politnovizen. Dank ihrer Rhetorik, die sich teils aggressiv gegen das Establishment richtet, haben sie den Umfragen zufolge aber so viel Unterstützung der Parteibasis wie alle anderen Bewerber zusammen.

foto: reuters/rick wilking
Donald Trump und Ben Carson liegen derzeit in den Umfragen vorne.

Carson hatte in einer Umfrage vom Dienstag erstmals den bisher führenden Milliardär Trump überholt. Dieser wurde am Mittwoch von seinen parteiinternen Gegnern für seine als unrealistisch verurteilten drastischen Steuersenkungspläne sowie seinen Vorschlag kritisiert, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen.

Auf die Pleite mehrerer seiner Immobilienprojekte in früheren Jahren angesprochen, konterte Trump: "Ich bin wirklich sehr gut darin, Schuldenprobleme zu lösen." Auf die Frage, ob er in New York manchmal eine Waffe trage, sagte er: "Manchmal. Aber ich bin gerne unberechenbar."

Wirtschaftspolitik im Zentrum

Carson hatte ebenfalls Mühe, seinen Vorschlag zu verteidigen, einen einheitlichen Steuersatz von zehn Prozent zu verteidigen. Zudem verhedderte er sich mehrfach in endlosen Sätzen. Die Fernsehdiskussion drehte sich hauptsächlich um Wirtschaftsthemen, am Rande kamen aber auch die Legalisierung von Marihuana, die Waffengesetze und die Pensionspolitik zur Sprache.

Weitere Teilnehmer der Debatte waren Jeb Bush, Ted Cruz und als einzige Frau Carly Fiorina. Bush, Bruder des früheren Präsidenten George W. und Sohn des früheren Präsidenten George H. W. Bush, enttäuschte viele Beobachter. Er fiel nur durch seine Kritik an Konkurrent Marco Rubio auf, dem er vorwarf, im Senat viele Abstimmungen zu verpassen. Rubio konterte trocken: "Jemand hat dich davon überzeugt, dass es dir helfen wird, mich anzugreifen." Derzeit liegt Bush in Umfragen hinter Rubio auf Platz vier.

Die frühere HP-Chefin Fiorina, die bei der letzten Debatte einen starken Auftritt absolviert hatte, ließ diesmal mit einem Angriff auf die Demokratin Hillary Clinton aufhorchen. "Ich bin vielleicht noch nicht Ihre Traumkandidatin. Aber ich kann Ihnen versichern, dass ich Hillary Clintons schlimmster Albtraum bin", sagte sie. Fiorina erklärte außerdem, dass in der Rezession 92 Prozent der arbeitslos gewordenen US-Bürger Frauen gewesen seien – eine Behauptung, die sich als falsch herausstellte.

foto: reuters/rick wilking
Zehn republikanische Bewerber nahmen an der Debatte teil (von links): John Kasich, Mike Huckabee, Jeb Bush, Marco Rubio, Donald Trump, Ben Carson, Carly Fiorina, Ted Cruz, Chris Christie und Rand Paul.

Die nächste Fernsehdebatte der Republikaner findet am 10. November statt, die Präsidentenwahl im November 2016. Barack Obama darf nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten, beide Parteien bestimmen ab Anfang kommenden Jahres in Vorwahlen ihre Kandidaten. (APA, 29.10.2015)

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