AUA-Chef entschuldigt sich für viele Flugausfälle

29. Oktober 2015, 12:41
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Kratky begründet Ausfälle mit Personalengpass, die Airline steuert auf ein deutliches Gewinnplus zu

Wien/Schwechat – Der neue AUA-Chef Kay Kratky kritisiert die vielen Flugausfälle wegen des Personalengpasses. "Das darf uns kein zweites Mal passieren", sagte Kraty, der das Amt im August von Jaan Albrecht übernommen hatte, auf einer Pressekonferenz am Donnerstag. "Wir entschuldigen uns dafür."

Kratky erklärt sich die vielen Ausfälle mit der harten Sanierung seines Vorgängers. "Die Schleifspuren sehen wir noch heute." Es seien viel zu viele Flüge gestrichen und viel zu viele Kunden enttäuscht worden. Er habe ein großes Maßnahmenpaket verabschiedet, so Kratky: Es würden neue Mitarbeiter eingestellt, auch in die IT sei investiert worden.

Betriebsrat: 164 Flugausfälle bis Mai

Laut AUA-Finanzchef Heinz Lachinger liegen die Kosten für die Flugausfälle im niedrigen einstelligen Millionenbereich. Der negative Effekt sei aber größer, etwa falls Passagiere die AUA deshalb künftig meiden. Laut Betriebsrat sind allein bis Mai 164 Flüge ausgefallen. Über den Sommer mussten andere Airlines aushelfen, ab August waren zwei Maschinen der Estonian Air für die AUA im Einsatz.

Die Flugstreichungen haben sogar die AUA-Mutter Lufthansa beunruhigt. Im Lufthansa-Quartalsbericht heißt es: "Im Zusammenhang mit den Vorbereitungen zur Einflottung der 17 Embraer-Jets wurde in diesem Sommer die Regelmäßigkeit des Flugverkehrs leicht beeinträchtigt."

Gewinnplus im Visier

Zugleich steuert die AUA auf ein deutliches Gewinnplus zu. Nach neun Monaten steht ein operativer Gewinn von 61 Millionen Euro nach einem Minus von vier Millionen im Vorjahreszeitraum. Im Sommerquartal stieg das Betriebsergebnis (Ebit) von 37 auf 78 Millionen Euro, teilte die AUA am Donnerstag mit. Gute Buchungszahlen und günstiges Kerosin hätten zu einem Rekordsommer verholfen, zudem zeige das Sanierungsprogramm nun volle Wirkung.

"Wirtschaftlicher Turnaround"

Kratky sprach von einem "wirtschaftlichen Turnaround", man sei aber noch nicht am Ende des Weges. "Wir sind mit dem Ergebnisverlauf zufrieden und blicken mit Zuversicht auf ein gutes Ergebnis 2015." Die Aufwendungen sanken in den ersten drei Quartalen um 0,3 Prozent auf 1,644 Milliarden Euro, die Gesamterlöse stiegen um 3,6 Prozent auf 1,7 Milliarden. In den Sommermonaten Juli, August, September stiegen die Erlöse gar um 6,6 Prozent auf 675 Millionen.

Bei den Passagierzahlen liegt die AUA weiter hinter dem Vorjahr. 8,4 Millionen Fluggäste nach neun Monaten bedeuten einen Rückgang um 3,5 Prozent. Zu schaffen macht der AUA nach wie vor der in der Vergangenheit wichtige russische Markt. Mehrere Strecken, unter anderem nach St. Petersburg, mussten eingestellt werden. Die frei gewordenen Flieger würden auf neue Routen wie Bari, Odessa, Manchester, Marrakesch und Menorca eingesetzt.

88,8 Prozent der Flüge waren pünktlich

Wegen des Personalengpasses zu Sommerbeginn büßte die Airline bei der Pünktlichkeit einen Prozentpunkt ein. Trotzdem seien noch immer 88,8 Prozent aller AUA-Flüge pünktlich abgeflogen, betonte die Fluglinie. Mittlerweile habe die Aufstockung des Flugpersonals begonnen, 80 Piloten und 240 Flugbegleiter würden eingestellt.

Der Personalstand der Austrian Airlines Group inklusive ihrer vollkonsolidierten Töchter lag zum Stichtag 30. September bei 5.916 nach 6.188 ein Jahr davor. Der Rückgang beruhe einerseits auf dem Verkauf der Tochter Traviaustria und andererseits auf dem Abbau von Mitarbeitern in Management und Verwaltung aufgrund der Zusammenlegung von Tyrolean und Austrian.

Lufthansa hebt finanziell auch ab

Auch die Lufthansa hebt dank geringer Kerosinkosten und eines guten Sommergeschäfts die Jahresprognose. Das operative Ergebnis (bereinigtes Ebit) soll ohne die Kosten von Streiks dieses Jahr auf 1,75 bis 1,95 Milliarden Euro steigen, wie die Lufthansa am Donnerstag mitteilte.

Bisher ging der größte europäische Luftfahrtkonzern von einem operativen Ergebnis von mehr als 1,5 Milliarden Euro aus, allerdings wurden die Belastungen durch Streiks mitgerechnet. Im dritten Quartal stieg der Betriebsgewinn um 51 Prozent auf 1,2 Milliarden.

Swiss ebenfalls mit mehr Gewinn

Auch die Swiss macht mehr Gewinn, obwohl sie die Konkurrenz durch Billigairlines und Fluggesellschaften aus der Golfregion sowie der starke Schweizer Franken unter Druck setzen. Sie profitiert aber so stark vom niedrigen Ölpreis, dass ihr alles andere nichts anhaben kann. Dazu kommt das Sparprogramm Score, von dem bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt wurden. All dies führte dazu, dass die Swiss ihren Betriebsgewinn im dritten Quartal um 36 Prozent auf 187 Millionen Franken (172 Millionen Euro) steigern konnte. Ein noch deutlicheres Plus resultiert über die ersten neun Monate gesehen.

Und das trotz leicht rückläufigen Umsatzes, der bei der Swiss Betriebsertrag genannt wird: Dieser sank im dritten Quartal um ein Prozent auf 1,38 Milliarden Franken, teilte die Swiss am Donnerstag mit. Auch im gesamten bisherigen Jahr war der Umsatz leicht rückläufig. Grund sei der anhaltend hohe Wettbewerbsdruck durch Billigairlines und die Anbieter aus der Golfregion. (APA, 29.10.2015)

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