RAI wegen bezahlten Interviews mit Varoufakis unter Beschuss

29. Oktober 2015, 15:28
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Griechenlands Ex-Finanzminister kassierte für TV-Auftritt 24.000 Euro

Rom – Italiens öffentlich-rechtliche TV-Anstalt RAI ist wegen eines bezahlten Interviews mit dem ehemaligen griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis arg unter Beschuss geraten. 24.000 Euro ließ sich RAI 3 einen Auftritt Varoufakis als Stargast im Rahmen der Talkshow "Che tempo che fa?" im September kosten. Die RAI bezahlte dem 54-jährigen Politiker außerdem einen Flug erster Klasse nach Rom.

Varoufakis machte das Honorar, das er für seinen 20 Minuten langen TV-Auftritt erhalten hatte, auf seiner Webseite öffentlich. Der Fall sorgt in Italien für Empörung, unter anderem weil der Politiker bei einem ähnlichen TV-Auftritt in der BBC nicht bezahlt worden war. "Jede Minute Varoufakis im Fernsehen kostet die Italiener 1.000 Euro", kritisierte der Chef der oppositionellen Lega Nord, Matteo Salvini. Dieser rief die Italiener auf, die jährliche Fernsehgebühr für die RAI nicht mehr zu zahlen.

Der Fraktionschef der oppositionellen Forza Italia in der Abgeordnetenkammer, Renato Brunetta, sprach von einer unannehmbare Verschwendung von Geldern der RAI-Gebührenzahler. Er verlangte eine Erklärung von RAI-Präsidentin Monica Maggioni.

Die RAI reagiert auf die Vorwürfe: Das Verbot, Politiker für TV-Auftritt zu bezahlen, werde auch auf TV-Gesellschaften ausgedehnt, die für die RAI extern Programme produzieren, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Presseaussendung.

Von Endemol eingeladen

RAI gab somit zu verstehen, dass Varoufakis von der TV-Produktionsgesellschaft Endemol eingeladen worden sei, die die von RAI 3 gesendete Talkshow "Che tempo che fa?" produziert. Der griechische Politiker soll für seinen 20 Minuten langen Auftritt im September 24.000 Euro kassiert haben. Drei Tage zuvor war Varoufakis in einer 60-minütigen TV-Debatte bei der ebenso öffentlich-rechtlichen BBC zu sehen, ganz ohne Bezahlung. (APA, 29.10.2015)

Update: 15:20

  • Yanis Varoufakis ließ sich für ein Interview von Rai bezahlen.
    foto: reuters

    Yanis Varoufakis ließ sich für ein Interview von Rai bezahlen.

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