Handwerkerbonus ist gutes Geschäft für den Staat

29. Oktober 2015, 06:02
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Volkswirt Schneider für unbegrenzte Unterstützung: Selbst wenn nur ein Viertel der Rechnungen früher Schwarzarbeit waren, noch ein Geschäft für die Republik

Wien – Der auf die Berechnung von Schwarzarbeit spezialisierte Linzer Universitätsprofessor Friedrich Schneider bricht eine Lanze für die Fortsetzung des Handwerkerbonus. Jeder Euro, der dafür ausgegeben werde, bringe ein Vielfaches an Mehreinnahmen über Steuern und Sozialversicherung, sagte er im Gespräch mit der APA. Gerade vor dem Arbeitsmarktgipfel sollte man die Beschäftigungseffekte bedenken.

2014 seien 9,71 Millionen Euro an Handwerkerbonus ausbezahlt worden. Damit wurden Arbeitsleistungen von 66 Millionen Euro subventioniert. Dafür wurden 29,7 Millionen Euro an Einkommenssteuer und Sozialversicherungsabgaben sowie 13,2 Millionen Euro an Umsatzsteuer, in Summe also 42,9 Millionen Euro an Abgaben fällig, hat Schneider errechnet.

Die große Frage ist nun, welcher Anteil der subventionierten Leistungen sonst im Pfusch abgearbeitet und welcher Anteil ohnehin mit Rechnung und voller Steuerleistung abgewickelt worden wäre. Letzteres ist ein "Mitnahmeeffekt", wo steuerehrliche Bürger noch die Subvention kassieren, der Finanzminister hat keine zusätzlichen Einnahmen, wohl aber die Kosten des Bonus.

50 Prozent Mitnahmeeffekt

Die Zahlen zeigen nun: Selbst wenn nur 22,7 Prozent aller Ausgaben, die für den Handwerkerbonus mit Rechnung eingereicht wurden, sonst im Pfusch und ohne Rechnung geflossen wären, war der Bonus kein Verlust für die Republik. Das sei aber ein unrealistisch niedriger Wert, sagt dazu Schneider. Üblicherweise könne man von einem Mitnahmeeffekt von 50 Prozent ausgehen – die Hälfte der eingereichten Leistungen wäre also sonst schwarz erbracht worden.

Bei 50 Prozent Mitnahmeeffekt bringt aber jeder Euro, der für den Handwerkerbonus investiert wird, zwei Euro an zusätzlichen Steuern und Abgaben in die Staatskasse, so die Rechnung Schneiders. Auf dieser Basis empfiehlt er, den Handwerkerbonus ohne Begrenzung zu verlängern. Noch dazu, wo der Handwerkerbonus von den Begünstigten vorfinanziert werde, da ja erst die Rechnungen bezahlt werden müssen – also das Geld an den Staat fließt – bevor es zu einer Rückerstattung kommt.

Schwarzarbeit zurückdrängen

2014 und 2015 hat es den Handwerkerbonus für Privathaushalte gegeben, die sich von Handwerkern Wohnungen renovieren ließen. Dafür waren zehn beziehungsweise 20 Millionen Euro Budget vorgesehen. Ziel war es, die Schwarzarbeit zurückzudrängen. In der Budgetrede für 2016 kam der Bonus hingegen nicht mehr vor. Schneider schwebt vor, eine Milliarden Euro aus der Schwarzarbeit in die Legalität zurückzuholen. Das würde zwar 300 Millionen Euro Bonus kosten – aber dafür 600 Millionen Euro an Steuern und Abgaben einbringen, wenn die Annahme stimmt, dass 50 Prozent der eingereichten Leistungen sonst ohne Abgabenzahlung im Pfusch erbracht worden wären.

Schneider meint, wenn eine Milliarde aus dem Pfusch in die legale Wirtschaft geholt werden kann, gäbe es bei 60 Prozent Wertschöpfung im Inland ein zusätzliches BIP von 810 Millionen Euro und damit 7.670 Arbeitsplätze. Es würde ein Masseneinkommen von 500 Millionen Euro entstehen. Schneider hat die Studie auf Eigeninitiative gemacht und nach eigenen Angaben eine nur geringe Unterstützung durch die Wirtschaftskammer Österreich erhalten. (APA, 29.10.2015)

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