Ein Fotograf im freiwilligen Flüchtlingseinsatz

Interview29. Oktober 2015, 07:19
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Mike Vogl koordiniert in Salzburg die freiwilligen Helfer an der Grenze zu Deutschland

Salzburg – Der Salzburger Mike Vogl ist ansonsten als Pressefotograf unterwegs und kam durch seine Arbeit zu den Flüchtlingen am Grenzübergang Freilassing. Als der zweifache Vater sah, dass kleine Kinder auf dem Asphalt schlafen müssen, beschloss er selbst etwas zu tun, erzählt er im Gespräch mit dem STANDARD.

Seit eineinhalb Monaten koordiniert Vogl nun die freiwilligen Helfer bei der Saalachbrücke und in der ehemaligen Autobahnmeisterei Liefering. Dafür hat sich der Fotograf zunächst drei Wochen Urlaub genommen, nun hilft er nach der Arbeit so mit wie es geht. Er übernehme viele Koordinationsaufgaben und packt an, wo Not am Mann ist, ob in der Kinderbetreuung, der Bändervergabe oder beim Auslass.

STANDARD: Was ist passiert, dass sie beschlossen haben, sich freiwillig für Flüchtlinge einzusetzen?

Vogl: Am Anfang habe ich nur fotografiert. Dann habe ich gesehen, dass Kinder auf der Straße schlafen müssen. Ein zehn Tage altes Baby ist mit seiner Mutter am Asphalt gelegen. Da habe ich mir gesagt: Da muss was geschehen, jetzt mach ich auch was. Innerhalb kürzester Zeit waren auch alle Einsatzorganisationen an der Grenze vor Ort. Gemeinsam mit uns Freiwilligen wurde ein geregeltes System und perfekt ablaufendes Camp aufgebaut.

STANDARD: Gibt es Momente, die sie richtig glücklich machen während des Helfens?

Vogl: Ja. Jedes Mal, wenn Familien, für die Deutschland das Schlaraffenland ist, die Grenze übertreten und dort in eine neue Zukunft gehen.

STANDARD: Fühlt man sich manchmal auch hilflos als Helfer?

Vogl: Nein, eigentlich nicht, weil wir eine extrem gute Zusammenarbeit mit den Einsatzinstitutionen und Stadt und Land Salzburg haben. Sie sind uns von Anfang an auf selber Augenhöhe begegnet.

STANDARD: Wie sehen sie Berichte aus Oberösterreich, wo die Menschen im Freien übernachten mussten und es noch keine solche Versorgung wie in Salzburg gibt?

Vogl: Die müssen sich genauso auf die Beine stellen und was organisieren. Wenn viele Menschen zusammenhelfen, bekommt man auch was weiter.

STANDARD: Wie bekommt man die politische Diskussion zwischen Bayern und Österreich mit? Wie wirkt sich das auf den Einsatz an der Grenze aus?

Vogl: Ich habe meinen Medienkonsum extrem runtergeschraubt. Für mich ist wichtig, dass die durchreisenden Flüchtlinge geregelt über die Grenze kommen. Wir haben ein sehr gutes Einvernehmen mit der deutschen Bundespolizei und es funktioniert. (Stefanie Ruep, 29.10.2015)

  • "Am Anfang habe ich nur fotografiert. Dann habe ich gesehen, dass Kinder auf der Straße schlafen müssen", schildert Vogl seinen Anstoß für den freiwilligen Einsatz.

    "Am Anfang habe ich nur fotografiert. Dann habe ich gesehen, dass Kinder auf der Straße schlafen müssen", schildert Vogl seinen Anstoß für den freiwilligen Einsatz.

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