Italiens Liebe zu Rossi, fast ein Arztroman

28. Oktober 2015, 18:00
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"Il Dottores" Ringen um den Motorrad-WM-Titel wird zur nationalen Angelegenheit

Rom – Valentino Rossi wird beim Finale der MotoGP in Valencia am 8. November definitiv am Start stehen. Nach der Strafe gegen Italiens Motorrad-Superstar war gemutmaßt worden, Rossi würde trotz seiner nur knappen WM-Führung auf ein Antreten verzichten, da er vom letzten Startplatz aus keine Chance sehe.

Der neunfache Weltmeister war sanktioniert worden, weil er den Spanier Marc Márquez am Sonntag beim vorletzten Saisonrennen in Malaysia mit einem Fußtritt ins Kiesbett befördert hatte. Angeblich oder tatsächlich mit Absicht, Rossi, der den dritten Platz behalten durfte, hat die Vorwürfe bestritten. Die beiden Piloten leben seit längerer Zeit ihren Konflikt öffentlich aus. Die Strafe gegen Rossi hat speziell in Italien für Aufruhr gesorgt, die Sportaffäre wurde zur nationalen Angelegenheit. Selbst Ministerpräsident Matteo Renzi nahm sich trotz seines Staatsbesuchs in Peru Zeit für ein Telefonat mit Italiens "Il Dottore" geheißene Ikone, die bisher 112 Rennen gewonnen hat.

400.000 Unterschriften

In sozialen Netzwerken wurde der 36-jährige Rossi intensiv ermutigt und bis Mittwoch hatten rund 400.000 Menschen eine Petition unterschrieben, um die Organisatoren der Motorrad-Königsklasse dazu zu bringen, die Strafe zurückzunehmen. "Der Sport hat offenbar den Auftrag, Fahrer und Fans zu betrügen, die eine saubere Meisterschaft erwarten und verdienen" , heißt es darin.

Nicht zuletzt wegen der Reaktionen in seinem Heimatland wird der in der WM sieben Punkte vor seinem Yamaha-Teamkollegen Jorge Lorenzo liegende Rossi in Valencia dabei sein. "Danke an alle für diese großartige Unterstützung. Das zu lesen hat mir dabei geholfen, über die Bitterkeit und den Ärger hinwegzukommen", schrieb Rossi auf Facebook und ergänzte: "Von heute an bereiten wir uns auf Valencia vor."

Schon vor dem Rennen am Sonntag hatte der Altmeister vermutet, der bereits entthronte Titelverteidiger Márquez wolle seinen spanischen Landsmann Lorenzo zum Weltmeister machen. Die Situation eskalierte auf der Strecke, als der 22-jährige Honda-Pilot tatsächlich keine Anstalten machte, seine führenden Landsleute Daniel Pedrosa und Lorenzo zu verfolgen. Stattdessen richtete er sein Rennen ganz auf Rossi aus, der sich provozieren ließ.

Eindeutige (Video-)Beweise für einen Fußtritt Rossis gibt es nicht, Entlastendes war aber auch nicht zu sehen. In Italien wurde vermutet, Márquez habe beim strittigen Manöver zuvor mit seinem Kopf Rossis Bein gestreift. "Ganz Italien steht bereit, um Valentino zu verteidigen", titelte die Tageszeitung Il Messaggero. "Dunkelheit hinter dem Talent. Valentinos Fußtritt ist wie Zidanes Kopfstoß, wie Tysons Biss: Es besteht eine Bande zwischen diesen genervten, absurden und kindischen Reaktionen. Das Licht ist für Rossi ausgegangen", hatte La Stampa noch am Tag davor geschrieben.

Ist es nicht, soll Ministerpräsident Renzi am Telefon versichert haben. (APA, red, 28.10.2015)

  • Der 36-jährige Valentino Rossi macht keinen frischen Eindruck.
    foto: afp/ mohd rasfan

    Der 36-jährige Valentino Rossi macht keinen frischen Eindruck.

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