Syrien-Diplomatie in Wien: Moskaus Streich

Kommentar28. Oktober 2015, 17:57
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Das neue Format, das Teheran inkludiert, wurde von Russland erzwungen

Die Iraner am Tisch der Verhandlungen über die Zukunft Syriens: Aus saudi-arabischer Sicht geht nun die US-Regierung von Barack Obama daran, das Werk zu vollenden, das George W. Bush begann, als er 2003 Saddam Hussein stürzte – und nicht nur die Iraker vom Tyrannen, sondern auch den Iran vom Erzfeind befreite. Weit davon entfernt, irgendetwas über den Ausgang des in Wien eingeleiteten diplomatischen Prozesses sagen zu können, stellt man fest, dass der gelungene Atomdeal sehr wohl strategische Auswirkungen auf den Nahen Osten hat.

Das neue Format, das Teheran inkludiert, wurde von Russland mit seiner militärischen Intervention in Syrien erzwungen. Daraus eine unverrückbare russisch-iranische Interessenfront abzuleiten wäre aber eine Vereinfachung.

Wenn die Russen Zugeständnisse gegenüber der Freien Syrischen Armee signalisieren, verlassen sie den alten russisch-iranisch-regimesyrischen Konsens, dass es keine "moderaten" Rebellen gibt. Den Iranern muss dieser neue russische Pragmatismus, mit dem Syrien zusammengehalten werden soll, bedrohlich vorkommen: Eine Lösung, bei der alle Abstriche machen und Syrien ein völlig neues System bekommt, beschneidet den iranischen Einfluss und den seiner Satelliten, etwa der libanesischen Hisbollah. Und damit ist die Frage beantwortet, warum Saudi-Arabien – trotz des großen Misstrauens gegen das russische Projekt – beim Wiener Treffen überhaupt mitmacht. (Gudrun Harrer, 28.10.2015)

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