Peru: Biokakao ersetzt Kokaanbau

29. Oktober 2015, 14:56
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Grundstoff für Schokolade ersetzt in Peru immer öfter illegale Geschäfte – Nachhaltiger Konsum in Österreich unterstützt Entwicklung

Die Herstellung von Kakao zählt zu den wichtigsten landwirtschaftlichen Tätigkeiten in Peru. Der dynamisch wachsende Anbau von Biokakao (2014: plus 80 Prozent) verdrängt schrittweise den Kokaanbau. Dies ist letztendlich auch der Fairtrade-Organisation zu verdanken, die zahlreiche neu gebildete Genossenschaften beim Anbau von Kakao unterstützt.

Amora Carbajal Schumacher, Generaldirektorin des Außenhandelsinstitutes von Peru, bestätigte anlässlich der Mailänder Weltausstellung Expo das neue Phänomen. Im Kakao-Cluster bei der Expo wurden Videos der Kleinbauern aus Peru beim Anbau von Kaffee, Kakao und Zuckerrüben gezeigt und damit dokumentiert, wie Bauern vom illegalen Kokaingeschäft auf legale Produktionen umsteigen.

Mindestpreis für Kleinbauern

Der Oktober stand bei der Mailänder Expo auch im Zeichen von Fairtrade. Dabei handelt es sich um einen kontrollierten Handel: Den Kleinbauern wird für die gehandelten Produkte meist ein von den Organisationen festgelegter Mindestpreis bezahlt. Insgesamt sind 1,5 Millionen Kleinbauern aus Asien, Afrika und Südamerika Mitglieder solcher Organisationen. Große Handelsketten, etwa Coop oder Spar, vertreiben dann die Produkte mit dem Fairtrade-Markenzeichen.

In der Slowfood-Halle des Expo-Areals wurde über die Möglichkeit, dass Kleinbauern den Planeten ernähren, und über die damit verbundenen neuen Herausforderungen diskutiert. Dazu gehören zweifellos die weltweiten Klimaveränderungen. Tausende von Kleinbauern, die Fairtrade angehören, wurden bereits geschult, den Anbau dem Klimawechsel anzupassen. Abgesehen von Bananen sind Kaffee, Kakao, Zuckerrohr, Tee und Kokos die meistgehandelten fairen Produkte. Randprodukte, wie etwa Baumwolle, gewinnen jedoch bereits an Bedeutung. Dynamische Wachstumsquoten weisen auch Fairtrade-Blumen mit einer Zunahme von acht Prozent im Vorjahr auf. Insgesamt wurden 2014 rund 275,6 Millionen Schnittblumen, vor allem Rosen, gehandelt. In Österreich sei jede dritte verkaufte Rose ein Fairtrade-Produkt, sagt der Geschäftsführer von Fairtrade Österreich, Hartwig Kirner, bei der Expo zum STANDARD.

Bislang nur Bananen

Fairtrade Österreich wurde vor 22 Jahren gegründet, die Marke hat mit 92 Prozent einen überdurchschnittlich hohen Bekanntheitsgrad. Die Umsatzentwicklung von Fairtrade-Waren steigt in Österreich zweistellig pro Jahr und hat von 87 Millionen Euro im Jahr 2010 auf geschätzte 149 Millionen im Jahr 2014 zugenommen. Gleichzeitig entwickelte sich das weltweite Fairtrade-Geschäft von 4,4 Milliarden Euro im Jahr 2010 auf 5,9 Milliarden im Vorjahr. Der Geldfluss an die Kleinbauern machte allein aus Österreich im Vorjahr 26,5 Millionen Euro aus. Der Betrag setzt sich aus den Fairtrade-Prämien, dem Mindestpreis und dem Bioaufschlag zusammen.

"Nicht alle Produkte müssen bio sein", sagt Geschäftsführer Kirner. Bisher wurden in Österreich nur Biobananen mit der Fairtrade-Marke zertifiziert, das soll sich in Kürze ändern.

Schwedenbomben, Schokobananen

Zu den ersten Handelsmitgliedern zählten M-Preis aus Tirol und die Lebensmittelkette Spar. Inzwischen führen nahezu alle großen Supermärkte Fairtrade-Produkte in ihrem Angebot. Mehrere österreichische Süßwaren, etwa Schwedenbomben oder Schokobananen von Manner, werden ebenfalls aus Fairtrade-Kakao erzeugt.

Die wichtigste Zielgruppe seien junge Mütter, die mehr auf die Ernährungsqualität ihrer Kinder Wert legen als die vergangenen Generationen. "Fairtrade soll in Zukunft die Normalität und nicht wie bislang die Ausnahme im Handel darstellen", wünscht sich Kirner. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, 29.10.2015)

  • Die Kakaobranche wird durch eine starke Konzentration geprägt. Sieben Länder produzieren 91 Prozent der Kakaobohnen weltweit.
    apa / legnan koula

    Die Kakaobranche wird durch eine starke Konzentration geprägt. Sieben Länder produzieren 91 Prozent der Kakaobohnen weltweit.

  • Der Weltmarktpreis von Rohkakao gelte als einer jener Preise, die besonders anfällig für Schwankungen sind, und werde auch oft für Spekulationszwecke missbraucht, kritisiert Fairtrade.
    ap / fernando llano

    Der Weltmarktpreis von Rohkakao gelte als einer jener Preise, die besonders anfällig für Schwankungen sind, und werde auch oft für Spekulationszwecke missbraucht, kritisiert Fairtrade.

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