Joachim Herrmann: Mit Kritik an Österreich zu höheren Weihen

Kopf des Tages28. Oktober 2015, 18:01
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Bayerns Innenminister könnte Horst Seehofer nachfolgen

Man ist in Bayern dieser Tage nicht gut auf Österreich zu sprechen. Viele in der CSU regen sich über die Flüchtlingspolitik auf. Doch keiner tut dies, zur Freude von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), so nachdrücklich und auf so vielen Kanälen wie Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU).

Es könnte sein, dass der 59-Jährige für Österreich und natürlich für Bayern in nicht allzu ferner Zukunft eine noch wichtigere Rolle spielt. Denn Herrmann ist mittlerweile Favorit für die Nachfolge von Seehofer, der 2018 nicht mehr antreten will. Versucht hat es Herrmann schon einmal: 2008, als die Nachfolge des glücklosen Kurzzeitregenten Günther Beckstein einer Regelung bedurfte. Das Chaos war damals bei der CSU so groß, dass sich Herrmann quasi nebenbei auch schnell um das Amt bewarb, später dann aber zurückzog.

Dass Herrmann damals nicht zum Zug kam, lag nicht an mangelndem Einsatz für die CSU und den Freistaat. Der Jurist aus Erlangen (Mittelfranken) trat nach dem Jusstudium 1984 sofort als Regierungsrat in die von Franz Josef Strauß geführte Staatskanzlei ein.

Zehn Jahre später wurde er in den Landtag gewählt, dort leitete er von 2003 bis 2007 die Fraktion, bevor er Innenminister wurde. Lange aber hing ihm das Patt von 2006 nach. Damals wollte die Regierung die Ladenöffnungszeiten ausdehnen, doch in der Fraktion endete das Votum mit 51 Ja- und 51 Neinstimmen, was als Nein zählte.

Herrmann wurde Führungsschwäche vorgeworfen, zumal er selbst erklärte, er sehe sich eher als "Moderator". Ein Moderator als Ministerpräsident? Für viele undenkbar.

Doch der Vater dreier Kinder hat an Kontur gewonnen und gibt Sätze zum Besten, die in Bayern gut ankommen. Den Sänger Roberto Blanco erklärte er zum "wunderbaren Neger", Flüchtlinge wollte er während des Oktoberfests nicht in München haben – natürlich nur zur Sicherheit der Asylwerber, denen man besoffene Einheimische ja nicht zumuten könne.

Als Herrmanns Meisterstück gilt der G7-Gipfel in Elmau im Juni. Auf seine Anweisung hin zeigte die Polizei so massive Präsenz, dass der Minister nach dem Spektakel zufrieden bilanzieren konnte, es sei nicht einmal eine Fensterscheibe zu Bruch gegangen.

Dafür gab es viel Lob von Seehofer, der gleichzeitig erklärte, die CSU werde 2018 nur eine Person in die Landtagswahl schicken, "die größten Rückhalt aus der Bevölkerung hat". Es war klar, wen er meinte. (Birgit Baumann, 29.10.2015)

  • Kritiker der deutschen Flüchtlingspolitik: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (links).
    foto: apa/dpa/andreas gebert

    Kritiker der deutschen Flüchtlingspolitik: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (links).

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