Hypo-U-Ausschuss beendet erste Runde

28. Oktober 2015, 20:25
13 Postings

Fimbag-Chef Wala sowie Ex-Hypo-Wirtschaftsprüfer und -Aufsichtsratschef Moser beschrieben ihre Arbeits(auffassung)

Wien – Im Hypo-U-Ausschuss wurde am Mittwoch die erste Untersuchungsphase abgeschlossen, zwei weitere zum Thema Partizipationskapital und Verstaatlichung folgen. Die letzten Zeugen zu Phase I waren Adolf Wala und Karl-Heinz Moser; Ersterer Chef der staatlichen Bankenholding Fimbag und Notenbankchef im Ruhestand; Letzterer einst Wirtschaftsprüfer der Hypo (Confida) und Aufsichtsratschef der Bank.

Wala (78) gab den Mandataren ebenso bereitwillig wie ausführlich Auskunft und schilderte die Arbeit der Fimbag, die "ohne einen Bleistift" begonnen worden sei. Besonderes intensiv wurde Wala zu den Ereignissen vor der Vergabe des Partizipationskapitals (Ende 2008) und ab Juli 2009 gefragt, als sich die "Katastrophe" angekündigt habe. Vor der PS-Kapitalzufuhr hatte ja die OeNB eine Stellungnahme abgegeben, wonach die Hypo "not distressed" sei. Es gab aber nur die Noten "sound" (gesund) und "distressed" (notleidend). Auch in der Fimbag habe man sich 2008 gefragt: "Was heißt eigentlich not distressed? Wie kommt man zu diesem Urteil?", erzählte Wala. Er sei von einem "Kompromiss" ausgegangen. Es sei damals also sehr wohl über diese Formulierung diskutiert worden – in Bezug auf die Folgen habe "das Finanzministerium das eindeutig als sound" ausgelegt.

Kritik holte niemanden auf den Plan

Am 5. November 2009 sei dann die Bombe mit dem "Horrorverlust" geplatzt, nachdem das Management unter Franz Pinkl immer wieder Termine mit der Fimbag verschoben hätte. Den Viability-Bericht der Hypo habe man sehr kritisch kommentiert und ans Finanzministerium weitergeleitet. Gemeldet habe sich daraufhin aber niemand. Bei der Verstaatlichung habe die Fimbag dann nur eine Gastrolle gespielt, man sei "nicht aktiv" dabei gesessen.

Moser verdiente mit Hypo-Verkauf 3,5 Millionen Euro

Wirtschaftsprüfer Moser musste dann zu seinen persönlichen Finanzgeschäften rund um die Hypo Rede und Antwort stehen. Moser, ab April 2005 auch Aufsichtsratschef, hat nach einer Kapitalerhöhung Ende 2006 im Zuge eines Anteilsverkaufs bei der Hypo rund 3,5 Millionen Euro vor Steuern verdient. Um diese Information zu erhalten, war aber rund eine Stunde Befragung nötig.

Verfahrensrichter Walter Pilgermair und Ausschussvorsitzende Doris Bures (SPÖ) mussten Moser mehrmals auf die Zulässigkeit der Frage nach seinem Gewinn durch die Kapitalerhöhung und den folgenden Verkauf hinweisen, bis dieser nach langem Hin und Her tatsächlich antwortete. 15 Millionen Euro hatte Moser über eine Gesellschaft mit Partnern insgesamt zur Kapitalerhöhung beigesteuert, fünf Millionen Euro davon auf Eigenkapitalbasis. Er alleine verdiente nach eigenen Angaben schlussendlich rund 3,5 Millionen Euro.

Moser wurde außerdem zu den Spekulationsverlusten befragt, die 2004 auftraten und 2006 aufflogen – ohne großen Erkenntnisgewinn. Kritik erntete er von mehreren Abgeordneten, weil er aus seiner Hypo-Prüftätigkeit direkt in den Aufsichtsrat-Chefsessel wechselte. So meinte etwa Neos-Abgeordneter Rainer Hable, Moser sei der "personifizierte Interessenskonflikt". (gra, smo, APA, 28.10.2015)

Share if you care.