Wie sich Österreich auf möglichen Flüchtlingsstau vorbereitet

28. Oktober 2015, 18:01
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Der große Krisenstab ersuchte die Länder, Übergangsquartiere zu nennen. Derzeit stehen rund 17.200 Plätze zur Verfügung

Wien – Die Planungen für den Fall, dass eine größere Zahl durchreisewilliger Flüchtlinge in Österreich aufgehalten werden sollte, seien voll im Gange. Unter anderem sei über die Anmietung umfangreicher heizbarer Zelte gesprochen worden, die man auf öffentlichen Flächen aufstellen könne, hieß es am Mittwoch aus Insiderkreisen.

"Es gibt keine großen Beschaffungsvorgänge dieser Art", reagierte ein Sprecher des Innenministeriums. Offenbar handle es sich um ein Gerücht von vielen.

In der "Siebener-Lage"

Dennoch: Die Unsicherheiten, wie es mit dem Flüchtlingstransfer nach Deutschland weitergehen wird, haben zu weiterführenden Planungen im großen Krisenstab geführt, der mindestens jeden zweiten Tag im Innenministerium tagt und intern als "Siebener-Lage" bezeichnet wird – weil ursprünglich sieben Ministerien und NGOs daran teilnahmen, inzwischen sind es mehr.

Den Usancen entsprechend seien bei der Siebener-Lage am Dienstag die Bundesländer "ersucht worden", weitere Örtlichkeiten zur Verfügung zu stellen, um zusätzliche Übergangsquartiere einzurichten, schilderte Klaus Jäger, Leiter des zentralen Transportmanagements des Bundesheeres, dem Standard.

Offene Frage der Kasernen

Dies, so Jäger, könnten "Hallen oder eben auch beheizte Zelte sein". Bei Bedarf würden diese zum Beispiel vom Roten Kreuz, der Caritas oder dem Arbeiter-Samariterbund betrieben werden – so wie die schon bestehenden Übergangsquartiere auch. Auch Kasernen wären für derlei Zwecke gut geeignet, fügte Klaus Schwertner, Generalsekretär der Wiener Caritas, hinzu: "Ich frage mich, wann man endlich in größeren Umfang auf Kasernen zurückgreifen wird."

In den bestehenden Übergangsquartieren befanden sich am Dienstag dem Vernehmen nach rund 12.000 Menschen. Rund 4500 von ihnen waren Asylantragsteller, die eigentlich in der Erstaufnahme oder aber in fixen Asylwerberquartieren wohnen sollten. An diesen jedoch mangelt es nach wie vor.

Sammelstellen nur teilweise heizbar

Bundesweit gibt es laut Informationen des Standard derzeit insgesamt knapp über 17.200 Plätze in Übergangsquartieren. Rund 8400 Betten stehen in den etwas besser ausgestatteten Transitquartieren zur Verfügung, 8800 weitere in den sogenannten Sammelstellen, die nur teilweise beheizbar sind.

Zudem wurden auch sogenannte Platzreserven angelegt. Dabei handelt es sich um eine Reihe von Quartieren, die derzeit ungenützt sind, aber rasch bezugsfertig gemacht werden können; so etwa eine Unterkunft für 200 Flüchtlinge binnen nur zweier Stunden in der niederösterreichischen Gemeinde Ternitz. Zwecks genauer Planung soll dieser Tage eine eigene sogenannte Transportmanagement-Homepage online gehen, die alle vier Stunden aktualisiert wird. (Irene Brickner, 28.10.2015)

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