Geräte im Wandel der Zeit: Pflanze schmust mit Fernseher

29. Oktober 2015, 06:00
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Zur Steigerung der Bildqualität hat man damals nicht den digitalen Bildmodus geändert, sondern dem Gerät eine zusätzliche Antenne angesteckt

Fernsehgeräte können heute alles. Sie liefern Ultra-HD-Bilder, gebärden sich höflich schlank an der Wand. Sie sind vernetzbar mit der ganzen Tablet-Welt, und im Fall des Falles offerieren sie auch sogenannte True-Cinema-Effekte. Wer möchte denn auf all das verzichten?

Den wahren Wert dieser Errungenschaften vermögen nur leidgeprüfte Zeitgenossen der Pionierzeit zu ermessen. Als es nichts gab als die Hoffnung auf guten Empfang. So ein Gerät war schwer, sauteuer und nie mehr wieder von der ihm zugeteilten Stelle wegzubewegen. Kraftvoll war der dafür vorgesehene Knopf hineinzudrücken, um eines der beiden verfügbaren Programme sehen zu können.

Zur Steigerung der Bildqualität hat man damals nicht den digitalen Bildmodus geändert, sondern dem Gerät eine zusätzliche Antenne angesteckt. Um aber wirklich zu sehen, woher in Wimbledon 1991 der Ball geflogen kam, half es ungemein, wenn dem (hier: orangefarbigen) Gerät die Ausziehantenne von einer warmen Hand gehalten wurde. Soziale Kompetenz war gefragt.

Manches Exemplar dieser Zeit, so erzählt man sich heute, verlangte sogar nach einer konstanten Befönung der hinteren Röhrenausbauchung, um klare Bilder zu gewährleisten. Luxusgeschöpf!

Auch heute noch können diese alten Geräte Kaprizen an den Tag legen, die einem nach 60 Jahren Fernsehgeschichte zu denken geben. Mein dickbauchiger Kasten gönnt sich nicht nur je nach Laune irreale Farbenspiele, sondern bandelt neuerdings mit der neben ihm stehenden Schilfpflanze an. Ich weiß nicht, wer die Initiative ergriffen hat, aber es knistert gewaltig zwischen den beiden, sobald ich einschalte. (Margarete Affenzeller, 29.10.2015)

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