Thermische Sanierung, warm abgetragen

Analyse29. Oktober 2015, 05:30
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Wärmedämmung gilt als eierlegende Wollmilchsau: Mit wenig Geld könnten Energie gespart und die Konjunktur belebt werden. Stattdessen werden die Mittel gekürzt

Wien – Das Erstaunen war groß, als sich die ersten Nebel um das Budget 2016 lichteten. Statt der 80 Millionen Euro, die heuer für die thermische Sanierung von Gebäuden zur Verfügung stehen, gibt es im kommenden Jahr nur mehr 43,5 Millionen – um fast die Hälfte weniger. Und das, obwohl sich kaum jemand findet, der die positive Hebelwirkung von Anreizinvestitionen in die Gebäudedämmung bestreiten würde.

Für die grüne Bautensprecherin Gabriela Moser ist die Kürzung "eine umwelt- und arbeitsmarktpolitische Bankrotterklärung der Bundesregierung", Finanzminister Hans Jörg Schelling säge "am eigenen Einnahme-Bein".

Tatsächlich ist da einiges dran. Eine aktuelle, umfassende Untersuchung der vom Bund finanzierten Förderungen im Bereich thermische Sanierung gibt es zwar nicht. Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) hat aber in einer Evaluierung der Umweltförderungen des Bundes im Inland für die Jahre 2011 bis 2013 interessante Zahlen destilliert, die im Großen und Ganzen noch immer stimmen dürften.

Im fraglichen Zeitraum wurden für Gebäudedämmung staatlicherseits insgesamt 286 Millionen Euro ausgegeben, jeweils zur Hälfte vom Wirtschafts- und vom Umweltministerium. Dadurch wurden Investitionen in Höhe von 3,6 Milliarden Euro angeschoben. Dadurch ausgelöste höhere Steuereinnahmen sind wieder dem Finanzminister zugutegekommen.

Beschäftigungswirkung

Spannend ist in Zeiten hoher und weiterhin steigender Arbeitslosigkeit die Beschäftigungswirkung. Nach Berechnungen des Wifo kann pro Million Euro, die in die Gebäudesanierung fließt, von 13 Vollzeitbeschäftigten ausgegangen werden. Pro Jahr wären das – vorsichtig gerechnet – deutlich mehr als 10.000. Das zeigt: Mit vergleichsweise wenig Geld kann eine große Wirkung erzielt werden. Diese Chance hat man in Österreich verpasst, und es ist nicht die einzige, unglückliche Entscheidung. Parallel wurde der Handwerkerbonus gestrichen, mit dem man eigentlich die Schwarzarbeit zurückdrängen wollte.

Die Mitte 2014 eingeführte Förderung von Handwerkerarbeiten in Privathaushalten wurde durchaus rege genutzt: Heuer standen 20 Millionen Euro zur Verfügung, am 10. August war der Fördertopf bereits zur Gänze ausgeschöpft. Etwa zur selben Zeit gab es auch keine Förderung mehr für Gebäudesanierung, der Topf war leer.

Der Sinkflug bei der thermischen Sanierung wurde schon 2013 eingeleitet. Ausgehend von gut 100 Millionen jährlich sind die Mittel um jeweils zehn Millionen pro Jahr reduziert worden. Mit der Quasihalbierung der Förderung wird 2016 kein Sprung, und schon gar kein großer, erfolgen können.

Das ist schade, wäre aber weniger schlimm, wenn in der Wohnbauförderung Mittel zugunsten der Sanierung umgeschichtet werden könnten. Doch auch das zeichnet sich nicht ab. Angesichts der Bevölkerungsentwicklung muss zweifellos auch das Neubauprogramm intensiviert werden. (29.10.2015)

  • Wärmedämmung sorgt für zusätzliche Arbeit, kurbelt die Wirtschaft an, hilft aber auch,  den Energieverbrauch zu senken und so nebenbei die Treibhausgasemissionen zu reduzieren.
    foto: standard/urban

    Wärmedämmung sorgt für zusätzliche Arbeit, kurbelt die Wirtschaft an, hilft aber auch, den Energieverbrauch zu senken und so nebenbei die Treibhausgasemissionen zu reduzieren.

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