Facebook freundet sich mit Bankgeschäft an

29. Oktober 2015, 14:06
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Teilen, liken, spielen – überweisen? Für Facebook würde der Einstieg in den Finanzsektor Sinn machen

Frankfurt – Facebook ist mit 1,4 Milliarden Mitgliedern das größte soziale Netzwerk der Welt. Aber nicht nur das: Facebook ist auch Medienkonzern, Filmproduzent und Spieleentwickler. Nun schickt sich der Internetkonzern an, ins Bankgeschäft einzusteigen. Facebook hat ein Patent angemeldet, das unter anderem Kreditgebern ermöglichen soll, das soziale Umfeld bei Facebook als Entscheidungsgrundlage für die Bewilligung eines Kredits zu nutzen.

Wörtlich heißt es in dem Patent: "Wenn ein Individuum einen Kredit beantragt, prüft der Gläubiger die Kreditwürdigkeit derjenigen Mitglieder in sozialen Netzwerken, die mit dem Individuum vernetzt sind." Die Marktforschungsgesellschaft Forrester hat bereits 2008 prognostiziert, dass Finanzdienstleister mittel- und langfristig Informationen aus dem Web und aus sozialen Netzwerken nutzen werden. "Dort, wo nationale Regulierer dies erlauben, nutzen einige Banken bereits diesen Ansatz oder planen, dies zu tun", sagt Jost Hoppermann von Forrester. Facebook hat enormes Wissen über Präferenzen seiner Nutzer gesammelt, aus denen sich die Kreditwürdigkeit ableiten lässt. Und dieses Wissen will der Konzern kapitalisieren.

Banklizenz beantragt

Vergangenes Jahr hat Facebook bei der irischen Zentralbank eine Banklizenz beantragt, mit der es elektronischen Zahlungsverkehr abwickeln könnte. Ob die Lizenz erteilt wurde, darüber schweigt der Konzern. "Eine Facebook-Bank würde den gleichen Regulierungen unterworfen sein und die gleichen Aufgaben zu erfüllen haben wie andere Banken auch", erklärt Hoppermann. Die Margen wären kaum höher. "'Facebook Bank' müsste daher neue Geschäftsmodelle hinzufügen, über die man durchaus spekulieren kann", so Hoppermann.

Seit Juli ermöglicht Facebook seinen Nutzern in den USA, sich über den Kurzmitteilungsdienst Messenger kostenlos Geld zu überweisen. Der Nutzer tippt dazu ein Dollarsymbol in der App oder Desktop-Anwendung an, gibt den Geldbetrag ein und bestätigt die Überweisung. Die Überweisungen werden mit Visa und Mastercard abgewickelt. Womöglich ist das auch der Grund, warum Facebook nach dem Status einer Bank strebt.

Von Individuum zu Individuum

Jim Stewart, Professor für Finanzwirtschaft am Trinity College Dublin, sagt: "Wenn Facebook in den Bankensektor einsteigt, ist es wahrscheinlich, dass sie nicht die gesamten Bankdienstleistungen abdecken werden, sondern nur ein paar Bereiche. Einer davon ist der Transfer von Geldvermögen von Individuum zu Individuum." Durch solche Peer-to-Peer-Payments ließen sich die Transaktionskosten für internationale Überweisungen senken, die derzeit noch sehr hoch sind. Facebook könnte damit auch zur Konkurrenz für Geldversender wie Western Union werden.

Der Konzern aus Kalifornien will dabei weniger als Großbank agieren, sondern eher als dezentrale Plattform, auf der Zahlungsvorgänge abgewickelt werden. "Die Strategie, die Facebook verfolgt, ist im Wesentlichen, existierende Dienste zu monetarisieren", sagt Finanzexperte Stewart. "Der Eintritt ins Banking würde Big Data an Finanztransaktionen koppeln." Schließlich gründet Facebooks Geschäftsmodell auf Informationen.

Laut der Unternehmensberatung McKinsey gibt es 2,5 Milliarden Menschen weltweit, die kein Bankkonto haben. Die Volkswirtschaften in Schwellen- oder Dritte-Welt-Ländern sind cashbasiert, dort wird bar bezahlt. Genau diese Märkte hat Facebook auch im Visier. Es gibt keinen besseren Weg, neue Nutzer zu gewinnen, als ihnen eine App für ihr Einkommen anzubieten – zumal bargeldloses Bezahlen immer bedeutender wird. Facebook könnte herausfinden, wofür Nutzer ihr Geld ausgeben und noch mehr über sie erfahren.

Umfassendes Kundenbild

Nur weil jemand eine Marke mag, heißt das nicht, dass er auch ein Kunde ist. Wenn Facebook aber Finanztransaktionen und soziale Interaktionen verknüpft, hätten Werbekunden nahezu vollständige Informationen über ihr Publikum. Kaufverhalten, Einkommen, Ersparnisse – Facebook hätte das komplette Bild. Und könnte noch mehr Geld für Anzeigen verlangen.

"'Facebook Bank' könnte Werbung auf den Finanzstatus der Kunden abstimmen – innerhalb und außerhalb der Bank-Website", sagt Forrester-Analyst Hoppermann. Für uns als Kunden bedeute das aber auch, dass wir umso mehr darauf achten müssen, welche Informationen wir über uns öffentlich machen und mit wem wir in sozialen Netzwerken "befreundet" sind. Sonst könnte Facebook oder eine Bank, die aufgrund von Social-Media-Daten die Bonität errechnet, einen Kredit verweigern, weil wir mit der "falschen" Person befreundet sind. (Adrian Lobe, 29.10.2015)

  • Facebook könnte Daten über die Bonität seiner Nutzer auswerten.
    foto: apa / dpa / friso gentsch

    Facebook könnte Daten über die Bonität seiner Nutzer auswerten.

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