Ab Hautkrebs-Diagnose: Faktor 100 schmieren

5. November 2015, 05:30
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Für sonnengeschädigte Haut gelten strengste Regeln – von März bis Oktober gilt UVA- und UVB-Schutz mit Faktor 100

Die Erkenntnis stellt sich meist schleichend ein. Da ist diese raue Stelle im Gesicht, die nicht mehr weggeht. Die manchmal blutig gekratzt ist, dann aber nicht und nicht zuheilt. Ein Pickel? Ein eingewachsenes Haar? "Patienten sind immer erstaunt, wenn sie hören, dass es ein weißer Hautkrebs ist", sagt Dermatologe Markus Dawid, Leiter der Hautambulanz am SMZ Süd in Wien. Basaliom ist der Fachterminus für diese Hautwucherung, die von den Basalzellen in der Haut ausgeht.

Die gute Nachricht: Basaliome bilden keine Metastasen. Trotzdem müssen sie entfernt werden, weil sie sich sonst ins umliegendes Gewebe ausbreiten und es zerstören. Oberflächliche Exemplare können mit einer immunmodulierenden Creme behandelt werden. Der Wirkstoff Imiquimod aktiviert die Abwehrzellen in der Haut. Im besten Fall werden die wuchernden Basalzellen dann vom Körper selbst in den Zelltod geschickt.

Gute und schlechte Strahlen

Fortgeschrittene Formen von weißem Hautkrebs müssen operiert oder bestrahlt werden. Je nach Lokalisation im Gesicht kann das eine chirurgische Herausforderung sein, schließlich geht es darum, kosmetische Probleme so gut wie möglich zu vermeiden.

Die wichtigste Message ab Diagnose: "Für Basaliom-Patienten gelten ab sofort allerstrengste UV-Schutz-Regeln. Weißer Hautkrebs ist die direkte Folge von UV-Strahlen", sagt Dermatologe Dawid. Demnach haben Menschen, die schon ein Basaliom haben, ein erhöhtes Risiko, noch eines zu bekommen. Dawid empfiehlt Patienten deshalb immer sehr eindringlich, von März bis Oktober täglich Cremen mit Lichtschutzfaktor 100 aufzutragen und direkte Sonneneinstrahlung so gut wie möglich ganz zu vermeiden – mit Sonnenhüten oder Kappen zum Beispiel, weil direktes UV-Licht ein Trigger für neue Hautwucherungen wäre. "Basaliome hat man sich quasi immer selbst verdient", sagt er.

Was für Patienten mit sonnengeschädigter Haut noch essenziell ist, ist permanente Selbstkontrolle zumindest einmal im Monat bzw. alle sechs Monate ein Haut-Check beim Dermatologen. "Basaliome sehen aus, als ob unter der Haut eine Art Perlenschnur gespannt wäre", erklärt Dawid.

Selbst verschuldet

Was zusätzlich Fakt ist: Weißer Hautkrebs kommt meistens nicht allein. Parallel entwickeln viele "Sonnenopfer" aktinische Keratosen, also Vorstufen eines anderen Hautkrebses, der sich in Form von schuppiger Haut äußert. Was bei Dermatologen als primär kosmetisches Problem gilt, kann für Betroffene überaus belastend sein. Eine Möglichkeit, raue Stellen auf Stirn, Nase und Wangen zu behandeln, ist die regelmäßige Anwendung von Vitamin-A-Säure, die Dawid in Salben mischt.

Medikamente gegen Basaliome gibt es einstweilen nur wenige. Patienten mit extrem fortgeschrittenen Formen von weißem Hautkrebs können mit dem Wirkstoff Vismodegib behandelt werden. Diese als Tabletten verabreichten Arzneimittel hemmen einen körpereigenen Signalweg, der für die Zelldifferenzierung verantwortlich ist. Dieser sogenannte Hedgehog-Inhibitor wird allerdings nur in großen Hautkrebszentren verabreicht. (Karin Pollack, 5.11.2015)

  • Nur mehr so ins Freie und auch dann eingeschmiert: Hautkrebspatienten sollen die Sonne möglichste meiden, UV-Strahlen triggern den Krebs.
    foto: apa

    Nur mehr so ins Freie und auch dann eingeschmiert: Hautkrebspatienten sollen die Sonne möglichste meiden, UV-Strahlen triggern den Krebs.

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