Cafébetreiber gegen Veganer: Der Shitstorm als Werbemittel

29. Oktober 2015, 10:46
354 Postings

Empörungsspiel verhilft jungem irischem Restaurant zu riesiger Bekanntheit

Bis vor kurzem war das White Moose Café in der irischen Hauptstadt Dublin eine weitgehend unbekannte Institution. Das sollte sich ändern, nachdem sich Betreiber Paul Stenson auf Facebook über vegane Kundschaft ärgerte und dabei nicht unbedingt den höflichsten Tonfall wählte.

Seitdem tobt eine Auseinandersetzung auf Facebook, die zunehmend mehr Beobachter findet und amüsiert. Stenson gießt dabei stetig neues Öl ins Feuer, was freilich nicht ganz uneigennützig geschieht. Die Süddeutsche hat den Verlauf des Shitstorms dokumentiert.

**ATTENTION VEGANS**Please do not waltz into our cafe with no advance notice and look at us as if we have ten heads...

Posted by The White Moose Café on Thursday, August 13, 2015

Wie alles begann

"Veganer aufgepasst: Bitte platzt nicht in unser Café, ohne vorher Bescheid zu geben und uns anzusehen, als hätten wir zehn Köpfe, wenn ihr feststellt, dass es auf unserer Karte keine 50.000 Einträge gibt, die zu euren eigentümlichen Essensgewohnheiten passen. Unser Küchenchef würde sich freuen, eine Reihe von Gerichten speziell für euch zuzubereiten, aber eine kleine Ankündigung vor eurem Besuch wäre nett", schrieb der Manager des White Moose am 13. August, gerad einmal zwei Wochen, nachdem das Lokal seine Türen zum ersten Mal geöffnet hatte.

Nach Wochen ohne größeren Reaktionen trudelten die ersten beleidigten Kommentare ein, die sich zuerst nur über den Tonfall mokierten. Doch die Stimmung schaukelte sich hoch – bis das Café auf Facebook plötzlich mit zahlreichen Ein-Stern-Bewertungen eingedeckt wurde.

**ALL VEGANS BARRED FROM OUR CAFE**Given the torrent of abuse and unjustified negative reviews we have been receiving...

Posted by The White Moose Café on Friday, October 23, 2015

Abschuss-Drohung treibt Empörungsspiel voran

Statt sich um die Glättung der Wogen zu bemühen, schoss Stenson allerdings nach. "Ich liebe all die negativen Reviews, [...] die offenbar alle weltweit existierenden Veganer hinterlassen haben", beginnt der Eintrag, in dem er dem veganen Publikum unterstellte, für sich besondere Rechte beanspruchen zu wollen. Gleichzeitig versprach er die Verlosung einer Reise unter Verfassern von Fünf-Stern-Rezensionen.

Nach diesem Schema setzte sich das Empörungsspiel fort, ehe Stenson vor wenigen Tagen ankündigte, dass alle Veganer Betretungsverbot für das White Moose hätten und sofort erschossen würden. Denn immerhin serviere man ja Tiere als Essen, folglich könne man auch Menschen erschießen, da beides in den Augen von Veganern ja gleichzusetzen sei. Wenngleich offensichtlich nicht Ernst gemeint, kurbelte das Posting den Shitstorm zu neuen Höhen an – ebenso wie eine ähnlich geartete und mit "P.S. Fuck you" unterfertigte Entschuldigung kurz danach.

foto: paul stenson
Betreiber Paul Stenson legt sich mit leicht empörbaren Anhängern des veganen Ernährungsstils an und nutzt die Aufregung als Werbevehikel für sein Lokal.

Café gelangt zu großer Bekanntheit

Mittlerweile wurde eine eigene Gruppe gegründet, die sich gegen das White Moose Café richtet und Stenson reitet fast täglich neue Spitzen. Neben empörten Vertretern veganer Essgewohnheiten haben sich auf der Facebookseite auch zahlreiche erklärte Gegner des Veganismus eingefunden. Die Auseinandersetzung hat mittlerweile nicht nur in nationalen irischen Medien die Runde gemacht, sondern ist auch auf klickträchtigen Seiten wie Buzzfeed gelandet.

Der Caféinhaber hat bereits diversen Medien Interviews gegeben und ist sich des Werbewerts des Streits offensichtlich bewusst. Die Facebook-Seite hat mittlerweile über 27.000 Likes.

Konfliktpotenzial

Zum Verständnis zwischen Omnivoren und Freunden pflanzenbasierter Ernährung trägt er freilich nicht gerade konstruktiv bei. Engstirnige Vertreter beider Gruppierungen begegnen sich tagtäglich in hitzigen Online-Debatten und prallen auch im Offline-Leben gelegentlich aufeinander.

Repräsentativ für alle Mitmenschen mit den gleichen Essensgewohnheiten sind die leicht empörbaren Streithähne beider Parteien freilich nicht. (gpi, 29.10.2015)

Share if you care.