Nilbar Güres bekommt BC21 Art Award

28. Oktober 2015, 13:09
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Die Werke der Otto-Mauer-Preisträgerin sind noch bis 29. November im 21er-Haus zu sehen

Wien – Die türkischstämmige Künstlerin Nilbar Güres hat den mit 20.000 Euro dotierten BC21 Art Award 2015 gewonnen. Der höchstdotierte österreichische Privatpreis für zeitgenössische Kunst wurde am Dienstagabend im 21er-Haus zum fünften Mal durch das Beratungsunternehmen The Boston Consulting Group (BCG) und das Belvedere verliehen, wie es in einer Aussendung hieß.

"Die Collagen, Fotografien, Zeichnungen und Objekte der Künstlerin zeugen von einer spielerischen Intelligenz, mit der sie normative Konventionen und stereotype Darstellungen konfrontiert und wirksam unterwandert", begründete die international besetzte Jury ihre Wahl. Die Juroren hoben Güres' eigenwillige Annäherung an eine Vielzahl von Medien hervor. Sie widme sich dabei mit Humor den Themenbereichen Politik von Identität, Sexualität und Gender.

Bereits mit Otto-Mauer-Preis ausgezeichnet

Geboren wurde Güres 1977 in Istanbul. Sie studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien und an der Marmara Universität in Istanbul. Sie erhielt 2014 den Msgr.-Otto-Mauer-Preis. Ihre Arbeiten waren bisher bereits in Ausstellungshäusern wie dem Konstmuseum Malmö, dem MAXXI in Rom oder dem Wiener MAK zu sehen. Im 21er-Haus sind ihre Werke nun bis zum 29. November ausgestellt – an der Seite der Arbeiten von den drei Mitnominierten Andreas Duscha, Sarah Pichlkostner und Hannes Zebedin.

Ins Leben gerufen wurde der BC21-Preis 2007. Er geht an in Österreich lebende Künstlerinnen und Künstler unter 40 Jahren, deren Werk die Begegnung mit anderen Disziplinen sucht. Bisherige Preisträger waren Constantin Luser (2007), Nadim Vardag (2009), Lucie Stahl (2011) und Anna Witt (2013). (APA, 28.10.2015)

Emanzipation und Tradition: Nilbar Güres

Kurz muss man an Mike Kelley denken, der einmal zwei Plüschtiere miteinander theoretisieren ließ. Genauer gesagt führten nur die Innenleben zweier Plüschtiere den Dialog. Der plüschig-flauschige Haufen in der Ecke des 21er-Hauses verdeckt allerdings eher eine Innenwelt. Zwei Arme ragen aus dem Tohuwabohu hervor, mit Händen aus geblümten Stoffen: "Promising Hands" (2014).

foto: belvedere, wien

In Nilbar Güres' Arbeiten sind die Textilien immer sorgsam gewählt. Farbe und Muster von Kleidungsstücken verraten der Künstlerin viel über die Persönlichkeit ihrer Trägerinnen. In einer ihrer bekanntesten Arbeiten, dem Video "Undressing" (2006), löst sie eine Schleierschicht nach der anderen von ihrem Kopf und nennt zu jedem Textil den Namen einer Verwandten.

Die in patriarchalen, islamischen Gesellschaften eingeschränkte individuelle Freiheit von Frauen (Aspekte wie Sichtbarkeit, traditionelle Rollenzuweisungen, Sexualität) ist zentrales Thema in Güres' (geb. 1977 in Istanbul) Arbeit. "Promising Hands" erinnert etwa an Living Room (2010): Das Foto zeigt quasi auch kopflose Frauen, denn die Gesichter der in die Polster Zurückgesunkenen sind von Tüchern verborgen.

In ihren Bildern, Collagen und Objekten schafft Güres surreale – und auf diese Weise trotz des Ernstes oft komisch wirkende – Situationen, in denen sich nicht nur die Beschränkungen zeigen, sondern auch die Versuche, sich zu emanzipieren. (kafe)

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Eine Kaktee emanzipiert sich, Porträt anlässlich des Otto-Mauer-Preises an Nilbar Güres 2014

  • Nun auch mit dem BC21 Art Award ausgezeichnet: Nilbar Güres.
    foto: nilbar güres

    Nun auch mit dem BC21 Art Award ausgezeichnet: Nilbar Güres.

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