200.000 Jemeniten nach Angriff auf Klinik ohne medizinische Versorgung

28. Oktober 2015, 13:41
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Saudisch geführte Allianz dementiert, das Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen angegriffen zu haben

Sanaa/Wien – Mehr als 200.000 Menschen haben im Jemen nach dem Angriff auf ein Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen nun keinen Zugang mehr zu medizinischer Hilfe. Das gab die Organisation am Mittwoch bekannt. Nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen war die Klinik im Bezirk Haydan (Provinz Saada) in der Nacht zum Dienstag bei Luftangriffen der von Saudi-Arabien angeführten Koalition zerstört worden, mehrere Menschen wurden verletzt.

Riad wies die Verantwortung für den Angriff zurück. Auf die Frage, ob die Allianz die Klinik angegriffen habe, schrieb Brigadegeneral Ahmed Asseri am Dienstag: "Ganz und gar nicht."

Mehrere Angriffe

Ärzte ohne Grenzen erklärte in einer Aussendung, das Krankenhaus sei zunächst am Montag um 22.30 Uhr "mehrmals angegriffen" worden, "über einen Zeitraum von zwei Stunden" sei es zu weiteren Angriffen gekommen. "Die Abteilung zur stationären Behandlung, die Ambulanz, die Geburtenabteilung, das Labor und die Notaufnahme wurden alle zerstört", erklärte Miriam Czech, Projektkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Saada. "Dies war das einzige Krankenhaus in der Gegend, das noch in Betrieb war."

Die GPS-Koordinaten des Krankenhauses seien der Militärallianz aber regelmäßig mitgeteilt worden, das Dach der Einrichtung außerdem "eindeutig und gut sichtbar" mit dem Logo von Ärzte ohne Grenzen gekennzeichnet. "Dieser Angriff zeigt einmal mehr, dass Zivilisten im Jemen völlig missachtet werden," sagte Hassan Boucenine, der Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen im Jemen. Nach Angaben von Unicef war es bereits das 39. Gesundheitszentrum, das seit März im Jemen bei Luftangriffen getroffen wurde.

Aufklärung gefordert

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon forderte einem UN-Sprecher zufolge ein sofortiges Ende aller Operationen im Jemen, einschließlich der Luftangriffe. Zugleich sprach er sich für umfassende Ermittlungen aus.

Auch die Organisation Ärzte ohne Grenzen verlangt die restlose Aufklärung des Vorfalls. Erst Anfang Oktober war ein Spital von Ärzte ohne Grenzen im afghanischen Kunduz zum Ziel von US-Luftangriffen geworden, dabei wurden 30 Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt. (maa, 28.10.2015)

  • Ein Archivbild des Krankenhauses in der jemenitischen Provinz Sadaa.
    foto: médecins sans frontières via ap

    Ein Archivbild des Krankenhauses in der jemenitischen Provinz Sadaa.

  • Das zerstörte Krankenhaus nach dem Luftangriff in der Nacht auf Dienstag.
    médecins sans frontières via ap

    Das zerstörte Krankenhaus nach dem Luftangriff in der Nacht auf Dienstag.

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