Tugendhaftes Finanzinstitut auf Promotour

28. Oktober 2015, 14:01
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Ende 2016 soll eine österreichische Ethikbank eröffnen, die Finanzspekulation ablehnt und gemeinnützige Projekte unterstützt – zur Umsetzung fehlen Frauen, Westösterreicher und Geld

Es ist wie im Spitzensport, sagt Toni Innauer. Und als ehemaliger Profiskispringer muss er es ja wissen: "Man macht mit, obwohl man weiß, es ist nicht gesund. Sollen notwendige Reglementierungen eingeführt werden wie im Skisprung ein Mindestgewicht, gibt es lange Widerstand." Er macht eine kurze Pause. "Bis die kritische Masse zu stark wird."

Innauer spricht eigentlich über die Wirtschaft, genauer: das Bankenwesen. Er sitzt am Podium einer Pressekonferenz in Innsbruck. Der Ex-Sportler war einer der ersten Genossenschafter des Projekts "Bank für Gemeinwohl". Für ihn steht fest: "Die Finanzindustrie braucht einen Gegenentwurf."

Bank ohne Filialen

Ziel der ersten Ethikbank Österreichs soll es sein, sich auf die "ureigensten Aufgabenbereiche" einer Bank zu besinnen: Konten, Kredite, Zahlungsverkehr. Finanzspekulation wird abgelehnt, gefördert werden sollen ausschließlich Projekte, die sozial und nachhaltig sind und dem Gemeinwohl dienen.

Die Idee ist nicht neu. Weltweit gibt es schon dutzende Alternativbanken. Auch der Gründervater des österreichischen Projekts, der Autor und Publizist Christian Felber, hat die Vision bereits vor mehreren Jahren entwickelt. Neu ist: Seit kurzem ist das tugendhafte Finanzinstitut auf österreichweiter Promotour. Bis März kommenden Jahres sollen 40.000 Genossenschafter – also Bank-Mitgründer – gefunden und 4,5 Millionen Euro aufgestellt werden, um bei der Finanzmarktaufsicht um eine Bankenlizenz ansuchen zu können. Ende 2016 soll die Gemeinwohlbank eröffnen. Zumindest virtuell, Filialen wird es keine geben.

Achtzig Prozent Männer

Ganz einfach wird das wohl nicht. Derzeit zählt das Projekt rund 1.900 Genossenschafter und konnte in den vergangenen Jahren 1,5 Millionen Euro Startkapital lukrieren. Gerade im konservativen Westen Österreichs ist der Zulauf an Unterstützern gering. Aus Tirol flossen bisher etwa bloß sechs Prozent des Kapitals in die Projektkassa. Außerdem: Aktuell sind mehr als achtzig Prozent der Genossenschafter Männer.

Durch verstärktes Werben im ganzen Land soll das nun geändert werden. Zahlreiche Prominente aus den Bereichen Kultur (Thomas Mauer), Sport (Toni Innauer) und Politik (Freda Meissner-Blau) sowie die üblichen verdächtigen Unternehmen (Sonnentor, Zotter-Schokolade, Grüne Erde) unterstützen das Vorhaben mit ihren Namen.

Was "Menschen wollen"

Immerhin: Im Firmenbuch ist die Genossenschaft – als künftige Eigentümerin der Bank – bereits eingetragen. Schon das sei allerdings ein ziemlicher Auftrag gewesen. "In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob die Menschen unsere Bank wollen", sagt Genossenschaftsvorstand Robert Moser. (Katharina Mittelstaedt, 28.10.2015)

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