Für das Haustier kochen

29. Oktober 2015, 14:30
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Tierliebe geht durch den Magen

foto: epa/axel heimken

Pro
Von Karin Pollack

Smalltalk kann folgenträchtig sein. Einmal kam das Gespräch auf Haustiere. Ein emotionales Thema für Großstädter, die mit ihren Hunden und Katzen in unnatürlicher Affenliebe verbunden sind. Im industriell erzeugten Tierfutter sei alles Mögliche drin, Zucker und tierische Nebenersatzprodukte, ob ich das wüsste und ob es mir egal sei, was meine Katze isst, fragte die Gesprächspartnerin. Touché.

Noch nie hatte ich das Kleingedruckte auf Katzenfutter studiert. Zucker macht Katzen Karies, sagte auch die Tierärztin – ihr schrecklicher Mundgeruch sei ein Beweis. Na ja, seitdem koche ich einmal pro Woche Hühnersuppe für sie. Sellerie und Karotten mag sie nicht, freut sich aber, wenn das Fleisch lauwarm serviert wird. Zur Abwechslung gibt es Puten- und Fischsuppe. Rind oder Lamm gibt es nie, die könnte sie ja in freier Natur auch nicht fangen.

Ihr Odem des Grauens hat sich verbessert. Sie riecht jetzt nach Suppe. Es war also ein Smalltalk mit Folgen. Nur wenn sich das Kochen nicht ausgeht, kriegt sie ein Fertiggericht. Ein sündteures. Nur ohne Zucker.

Kontra
Von Fabian Schmid

Ich koche gern. Es ist mir kein Problem, mich mehrere Stunden an den Herd zu stellen, um ein mehrgängiges Menü zu zaubern. Doch ich stelle an meine Gäste eine Bedingung: Es muss zumindest die Möglichkeit bestehen, dass ihnen mit meinen vermeintlichen Kochkünsten eine Freude gemacht wird. Bei meiner Katze ist das definitiv keine Option.

Für ein gelungenes Mahl nach dem Geschmack meiner felinen Mitbewohnerin müsste ich etwa folgende Speisenfolge kreieren: Regenwassersuppe mit alten Blättern, gefolgt von roher Maus im Taubenfedermantel, als Dessert Weberknechtbeine mit Ameisenpüree. Davon lasse ich lieber die Finger. Schließlich müsste ich mir dann ja auch ein eigenes Kochgeschirr nur für Katzenspeisen anlegen, um mich nicht vor jedem selbstgekochten Essen zu grausen.

Liebe geht zwar durch den Magen, aber nicht nur. Zuneigung kann man auch mit einer Kraulung oder der Überlassung des Bürosessels als Schlafplatz beweisen. Und sollte man einmal zufällig Hühnersuppe oder Tafelspitz kochen, kann man dem Haustier ja ein paar Bissen überlassen. (RONDO, 29.10.2015)

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