Krieg spielen im Dschungelcamp

28. Oktober 2015, 10:39
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Im ZDF-Gruppenexperiment "Plötzlich Krieg?" werden seit Dienstag Testpersonen in zwei Teilen gezielt gegeneinander aufgehetzt, um zu sehen, wie weit sie gehen.

Wien – Dass Menschen sich in der Gruppe anders verhalten, ist als Experiment seit dem Jahr 1882 belegt. Damals zogen Testpersonen auf Geheiß des französischen Agraringenieurs Maximilian Ringelmann einen Karren. Je mehr Leute anpackten, desto weniger strengte sich jeder Einzelne an. Der "Ringelmann-Effekt" ging als erstes Sozialexperiment in die Geschichte ein. Managementseminare arbeiten sich daran heute noch ab.

Den Karren mitten hinein in den Dreck fahren derzeit zwei Teams bei einem Sozialexperiment des öffentlich-rechtlichen Spartenkanals ZDF Neo: In Plötzlich Krieg? werden seit Dienstag Testpersonen in zwei Teilen gezielt gegeneinander aufgehetzt, um zu sehen, wie weit sie gehen. Man ahnt es schon: sehr weit.

"Weniger unterhaltsam als das 'Dschungelcamp'"

Der Anfang ist televisionärer Ringelpiez ohne Anfassen und unterscheidet sich kaum vom ganz banalen Dschungelcamp. In jedem der beiden Teams gibt es einen Maulwurf, der Aggressionen schürt. Programmgemäß fliegen bald die Fetzen. Schon vorab gab es dafür reichlich Medienschelte: "So unfassbar dumm, dass man ganz rasend werden kann vor Wut", urteilt Die Welt. "Weniger unterhaltsam als das Dschungelcamp", beanstandet die Süddeutsche Zeitung.

Dass der Weg vom zwischenmenschlichen Konflikt zur kriegerischen Auseinandersetzung doch noch ein gutes Stück weit entfernt ist, bleibt unterrepräsentiert, die Frage nach dem Erkenntnisgewinn unbeantwortet. (prie, 28.10.2015)

Teil 2: Mittwoch, 21.45 Uhr, ZDF Neo

  • Mit Spielzeugwaffen gehen die Kandidaten aufeinander los.
    foto: zdf

    Mit Spielzeugwaffen gehen die Kandidaten aufeinander los.

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