Saftiges Blech, sanfte Übergänge

27. Oktober 2015, 20:43
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Die Wiener Philharmoniker mit Altmeister Herbert Blomstedt im Musikverein

Wien – Das erste Abonnementkonzert der Wiener Philharmoniker ist längst nicht mehr ihr erster Auftritt der Saison. Die Spielzeit eröffnete der Klangkörper Mitte September im Wiener Konzerthaus, wo aus den zwei geplanten Konzerten sogar deren drei wurden: Bei einem Benefizkonzert mit Christoph Eschenbach und Elisabeth Kulman wurden über 115.000 Euro zugunsten der Flüchtlingshilfe eingespielt.

Was bietet die zehnteilige Konzertreihe der Philharmoniker, die seit 145 Jahren im Goldenen Musikvereinssaal stattfindet, in dieser Spielzeit? Mit Gustavo Dudamel, Andrés Orozco-Estrada und Kirill Petrenko drei arrivierte Dirigenten unter 50, mit Thomas Larchers Konzert für Orchester eine Uraufführung. Und mit Olga Neuwirths Masaot tastet man sich schon mal an die Klangwelten der Österreicherin heran, die für die Wiener Staatsoper ja eine (für 2019 geplante) Oper schreibt. Eröffnet wurde aber ganz traditionell: mit einem Beethoven-Doppelpack unter Herbert Blomstedt.

Mit der Achten wurde begonnen: Saß man in den hinteren Reihen, erreichte einen aufgrund der watteweichen Akustik und trotz aller philharmonischen Verve ein Orchesterklang ohne Ecken und Kanten, so widerstandsscheu und unverbindlich wie das wienerische Wesen. Zum Glück durfte das Blech in den Ecksätzen – in der Achten klingen ja wie in der Siebten noch die napoleonischen Kriegshändel nach – saftig rausprusten. Bei der Siebten zelebrierte Blomstedt das dolce-Thema in der langsamen Einleitung mit liebevoller Geduld, im Vivace ging's mit Elan voran.

Beethovens Metronomangaben vertraute der 88-Jährige nicht immer. Der zweite Satz folgte attacca und bot ein großes Tableau des Leidens. Wundervoll gelangen Blomstedt manche Übergänge: etwa das Diminunendo hier vor dem A-Dur-Teil oder jenes vor der Wiederkehr des F-Dur-Prestos im dritten Satz. Die Philharmoniker folgten Blomstedts Anzeigen mit all ihrer im Opernbetrieb angelernten Schmiegsamkeit.

Im Finalsatz prunkte das Orchester mit Klangfülle und eleganten Galoppaden. Begeisterung. Mitte November sind die Wiener Philharmoniker dann mit Dirigent Daniel Barenboim und Mahlers Neunter im Wiener Konzerthaus zu erleben.

(Stefan Ender, 28.10.2015)

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