Treffen der Musikplaneten

27. Oktober 2015, 20:41
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Schlagzeuger Martin Grubinger und Starbariton Thomas Hampson im Wiener Konzerthaus

Wien – Treffen sich zwei Musiker von verschiedenen Planeten. Das muss kein Witz sein, kann aber unfreiwilligen komisch geraten. Und die Chancen, dass der Eindruck des Crossover herauskommt, also der Verbindung des Ungleichen bei ästhetischen Sollbruchstellen (in der Kluft zwischen den Stilen) stehen gut. Nun ist bei den Qualitäten von Martin Grubinger und Thomas Hampson kaum Luft nach oben. Doch als der den Schlagzeuger und der Starbariton (mit Garantie auf durchdachte Lied- und Operngestaltung) miteinander einen Abend gestalteten, geriet doch so einiges schief.

George Crumb verbindet in seinem American Songbook traditionelle Melodien mit ausgefallenen Klängen eines ebenso ungewöhnlichen wie ungewohnt eingesetzten Instrumentariums. Aber die Wirkungen Musik blieben sowohl beim Percussive Planet Ensemble wie beim Sänger zu einem Gutteil auf der Strecke; zu grobschlächtig wirkte das Instrumentarium, zu nahe am Gebrüll der Gesang.

Im Stich gelassen

Richtig problematisch der zweite Teil mit Sinatra- und Sting-Material: New York, New York, Come Fly With Me und I've Got You Under My Skin hatten mehr von einem Karaoke-Abend als von einem Konzert, auch da Hampsons Klassikstimme mit Mikrofon und Lautsprechern einfach nicht zusammenspielte. Spürbar hatte der Weltklassesänger den richtigen Sound im Kopf. Doch was hörbar wurde, war eher eine Karikatur davon, wobei er auch von der Tontechnik kläglich im Stich gelassen wurde.

Was Hampson in den Raum schickte, wäre durch die spezifischen Frequenzmischungen des Kunstgesangs als perfekt empfunden worden, klang aber durch die Verstärkung falsch. Die instrumentale Nummer Strike Up The Band wurde zu einem der Höhepunkt lustvollen Big-Band-Musizierens voller Drive, ebenso wie Send your love (bei den Sting-Nummern), wo Hampson in der Ballade Shape of my heart mit einem lyrisch-schlichten Ton betörte. Versöhnlich stimmte die Zugabe: In My Way konnte Hampson durch den getragenen Charakter – und ein endlich auch tontechnisch ausgeglichenes Klangbild – aufblühen und einen Tonfall finden, der das Vorbild und das Eigene stimmig verband. Am schönsten die letzte Zeile, ohne Mikrofon, mit leiser Fülle und Tiefe, die bekräftigte, wo "sein Weg" eigentlich verläuft. (daen, 27.10.2015)

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