Streit um conwert-Verwaltungsrat beigelegt – Proschofsky zieht ein

27. Oktober 2015, 19:06
posten

Nach OGH-Spruch zugunsten von "Börsenrebell" stimmte Immobilienfirma Beendigung von HV-Anfechtungsverfahren zu

Wien – Triumph für Alexander Proschofsky: Nach langem Rechtsstreit darf der rebellische Börseninvestor in Kürze in den Verwaltungsrat des Immobilienkonzerns conwert einziehen. Anfang Oktober hatte er im Anfechtungsstreit um die Hauptversammlung vom Mai 2014 vom Obersten Gerichtshof (OGH) Recht bekommen. Am Dienstag stimmte schließlich das Unternehmen der Beendigung des Verfahrens durch Anerkennung zu.

Das zuständige Handelsgericht Wien (HG) muss nun ein sogenanntes Anerkenntnisurteil ausfertigen. conwert gehe davon aus, dass dieses Anfang November vorliegt, wie das Unternehmen am Abend mitteilte.

Mit Wirksamkeit des Urteils werden Proschofsky sowie der Berliner Immobilienmanager Peter Hohlbein in Verwaltungsrat von conwert einziehen. Gleichzeitig werden Martina Postl und Alexander Schoeller aus dem Gremium ausscheiden.

Proschofsky wollte sich Mitte des vorigen Jahres gemeinsam mit Hohlbein in den conwert-Verwaltungsrat wählen lassen, um den Einfluss von Großaktionär Hans Peter Haselsteiner zu begrenzen. Haselsteiner hat sein 24,8-prozentiges Aktienpaket später an den israelischen Milliardär Teddy Sagi verkauft, der dieses im August an den deutschen Wohnkonzern Adler Real Estate weitergereicht hat. Ursprünglich wollte Haselsteiner seine Anteilsscheine an die Deutsche Wohnen abgeben, die geplante Übernahme platzte jedoch im April.

Bei der Hauptversammlung im Mai 2014 scheiterte Proschofsky knapp, weil Stunden davor Millionen Stimmrechte der deutschen Investorenfamilie um Karl Ehlerding ausgeschlossen worden waren. In der Folge wurden dann Schoeller und Postl in den Verwaltungsrat gewählt, die im Einflussbereich von Haselsteiner gestanden sein sollen. Ehlerding hatte seine Stimmrechte Proschofsky zugesichert.

Proschofsky, der über seine Firma Cube Invest an der conwert beteiligt ist, brachte gegen den HV-Beschluss eine Anfechtungsklage ein. Dieser Streit soll nun beigelegt werden.

Das Handelsgericht hatte in der Sache die Übernahmekommission angerufen, die Proschofsky im heurigen März recht gegeben hat. Dem Beschluss zufolge war der Ausschluss der Ehlerding-Stimmrechte wegen von conwert behaupteten gemeinsamen Vorgehens mit Familienmitgliedern nicht richtig. conwert legte dagegen Rekurs beim Obersten Gerichtshof (OGH) ein, blitzte damit aber Anfang Oktober ab.

Vergangene Woche hat conwert bereits angekündigt, dass Postl, Schoeller sowie Phillip Burns ihre Funktionen im Verwaltungsrat per 17. November "aus persönlichen Gründen" zurücklegen. Vorsitzender des Kontrollgremiums bleibt damit Barry Gilbertson.

Für Proschofsky steht mit der heutigen "Anerkennung unserer Anfechtungsklage fest, dass der von Kerstin Gelbmann vorgenommene Entzug des Stimmrechts für die Familie Ehlerding in der ordentlichen Hauptversammlung 2014 rechtswidrig und willkürlich war und eine unverantwortliche und inakzeptable Handlung darstellt, die zum Schaden der Gesellschaft und ihrer Aktionäre erfolgte", wie er gegenüber der APA meinte.

Laut Proschofskys Angaben erfolgt die Bestellung von ihm und Hohlbein als conwert-Verwaltungsräte rückwirkend per 8. Mai 2014.

Ob die Rechtsstreitigkeiten weitergehen könnten? "Wir werden den Blick nach vorne richten und bekräftigen den Arbeitsauftrag an das operative Managementteam bestehend aus den beiden Geschäftsführenden Direktoren Wolfgang Beck und Thomas Doll", so Proschofsky. (APA, 27.10.2015)

Share if you care.