Türkei stellt kritischen Medienkonzern unter Zwangsverwaltung

27. Oktober 2015, 18:36
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Polizei in Ankara löste Proteste gegen die Maßnahme gewaltsam auf

Ankara – Die türkischen Behörden haben einen regierungskritischen Medienkonzern unter Zwangsverwaltung gestellt und Proteste gegen die Maßnahme gewaltsam auflösen lassen. Vor der Zentrale der Unternehmensgruppe Koza-Ipek in Ankara trieb die Polizei am Dienstag dutzende Demonstranten mit Tränengas auseinander.

Wenige Tage vor der Parlamentswahl hatte ein Gericht am Montag Zwangsverwalter für die mehr als 20 Unternehmen der Holding eingesetzt, darunter auch die Zeitung "Bugün" und der TV-Sender Kanaltürk.

Druck auf Medien steigt vor Wahl am Sonntag

Die Staatsanwaltschaft begründete die Maßnahme am Dienstag mit Ermittlungen wegen des Verdachts der "Terrorfinanzierung" und "Propaganda". Der Koza-Ipek-Konzern, der auch im Bergbau und im Energiesektor aktiv ist, steht der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen nahe. Gülen, ein ehemaliger Unterstützer des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, hatte sich vor zwei Jahren mit der Regierung überworfen. Seitdem wirft Erdogan dem in den USA lebenden Gülen einen Umsturzversuch vor. Gülen weist die Anschuldigungen zurück.

Die türkische Regierung steht seit langem wegen ihres Vorgehens gegen Journalisten in der Kritik. Regierungsgegner werfen ihr vor, kurz vor der Wahl am Sonntag den Druck auf freie Medien zu erhöhen.

Seit September dutzende Büros durchsucht

Konzern-Chef Akin Ipek, der sich derzeit im Ausland aufhält, bezeichnete das Vorgehen gegen sein Unternehmen am Dienstag als "politisch motiviert". Seit Beginn der Ermittlungen Anfang September wurden dutzende Büros durchsucht. Sechs Verdächtige wurden festgenommen, später aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Unter den nun eingesetzten Zwangsverwaltern sind nach Angaben der Nachrichtenagentur Dogan unter anderem frühere Mitarbeiter regierungsnaher Medien. (APA, AFP, 27.10.2015)

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