Das Ende des klassischen Sponsorings

27. Oktober 2015, 17:26
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Diskussionsveranstaltung zu Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft

Wien – Seit die Universitäten vor mehr als zehn Jahren in die Autonomie entsendet worden sind, sehen sie sich verstärkt dem Ruf ausgesetzt, sie mögen unternehmerischer werden. Die Idee, eine Universität wie ein Unternehmen zu führen und als Wissenschafter enge Kooperationen mit der Wirtschaft zu pflegen, polarisiert die Forschercommunity: Auf der einen Seite steht die Freiheit der Wissenschaft und Wissen als Selbstzweck zu verteidigen, auf der anderen Seite sind zusätzliche Gelder für die Forschung natürlich willkommen, und letztlich will der Großteil der Studierenden später einen attraktiven Job bekommen – in einem Unternehmen. Wie Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sinnvoll gestaltet werden können, war Thema einer Veranstaltung, die letzte Woche, organisiert von der Industriellenvereinigung, im Wiener Haus der Industrie stattgefunden hat.

"Es ist kein Geheimnis, dass Universitäten durchaus auch Bedenken haben, wenn es zu viele Wirtschaftskontakte gibt", sagte die Rektorin der Wiener Wirtschaftsuniversität Edeltraud Hanappi-Egger. Dabei ginge es um Bedenken, ob die Autonomie der Universität durch die privatwirtschaftlichen Geldgeber eingeschränkt werden könnte, oder die "Definitionsfreiheit, was Inhalte und Methoden betrifft". Umso wichtiger sei es, in internen Diskussionen an den Universitäten in Zusammenarbeit mit den Wissenschaftern eine adäquate Sponsoringstrategie zu entwickeln und "nicht auf Zuruf alles Mögliche zu nehmen", sagte Hanappi-Egger.

Eine bereits 15 Jahre alte Kooperationsbeziehung verbindet die Wirtschaftsuni mit der Erste Bank. Als Erfolgsfaktor für die gelungene Uni-Unternehmen-Beziehung nannte Markus Posch, Head of Human Resources der Erste Bank, "sich offen und deutlich zu sagen, was man voneinander braucht".

Der "Erste Hörsaal"

Ein recht auffälliges Produkt der Kooperation zwischen Wirtschaftsuniversität und Erste Bank ist der "Erste Hörsaal" auf dem neuen WU-Campus. Dieser sei allerdings die "einzige klassische Sponsoringaktivität", sagte Posch. "80 Prozent unserer Zusammenarbeit hat mit Sponsoring gar nichts mehr zu tun." Im Zentrum stünden vielmehr Forschungskooperationen sowie gemeinsa-me Aus- und Weiterbildungsprogramme. "Vieles, was wir machen, machen wir nicht einfach nur aus Freundschaft, sondern die Resultate können sich im internationalen Vergleich sehen lassen", sagte Posch. Harald Kainz, Rektor der Technischen Universität Graz, betonte die Wichtigkeit von Kooperationen mit der Privatwirtschaft für seine Universität: "Für uns wäre die Entwicklung in den letzten zehn Jahren ohne Unternehmen nicht möglich gewesen." So würden etwa die erfolgreichen Comet-Projekte, die vom Verkehrs- und Wissenschaftsministerium gefördert werden, stets gemeinsam mit mehreren Partnerunternehmen umgesetzt werden.

Kainz resümierte: "Die Kooperation mit der Industrie ist für uns der Schlüssel zum Erfolg." Gleichzeitig räumte er ein, dass die Zusammenarbeit mit der Industrie nicht für jede Universität und jedes Forschungsinstitut in gleichem Ausmaß bedeutsam wäre – so gebe es für Kunstuniversitäten weniger Anknüpfungspunkte zur Industrie als für technische Universitäten. "Wichtig ist, das gleiche Ziel zu verfolgen", sagte Elisabeth Engelbrechtsmüller-Strauß, CEO von Fronius International, einem Schweißanlagenhersteller, der neben zahlreichen anderen Hochschulen auch mit der Technischen Universität Graz kooperiert. "Wenn wir nur das Geld bringen, und die Unis machen dann, was sie wollen, ist das keine gute Zusammenarbeit."

Als Erfolgsfaktoren für gelungene Kooperationen seitens der Universitäten nannte Hanappi-Egger: "Wichtig ist, dass man ein Verständnis entwickelt, dass es eine Partnerschaft ist und keiner der beteiligten Partner weniger wichtig oder ungeordnet ist." Hilfreich wären dabei persönliche Beziehungen zu Unternehmen, die sich an der Wirtschaftsuniversität vor allem durch Alumni sowie ehemalige Universitätsassistenten ergeben würden, die zu Unternehmen gewechselt sind. Derartige Kontakte würden am ehesten ermöglichen, "dass beide Seiten das Vertrauen haben, dass die Kooperation für beide Seiten fruchtbringende Ergebnisse liefert".

Vorsicht vor Erfolg

Gerald Reisinger, Geschäftsführer der FH Oberösterreich, betonte, dass Fachhochschulen für die Zusammenarbeit mit der Industrie schon aufgrund ihrer Gründungsidee prädestiniert wären: "Wir sind dafür in die Welt gesetzt worden, die Kooperationen mit der Industrie im anwendungsnahen Bereich zu schaffen." Diese würden schon bei der Entwicklung der Studienprogramme beginnen und bis in die Forschung reichen. Vorsicht ist jedenfalls davor geboten, dass die Kooperationen nicht zu erfolgreich werden. Hanappi-Egger: "Sonst glaubt das zuständige Ministerium, dass man die öffentliche Finanzierung nicht mehr so stark braucht." (trat, 28.10.2015)

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