"Kiseiju": Mutantenschächter mit Handschlagqualität

28. Oktober 2015, 11:58
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Dynamisch-humorvolle Manga-Adaption von Takashi Yamazaki

Wenn man ausziehen muss, um der eigenen Mutter den Kopf abzusäbeln, dann ist nicht mehr abzustreiten, dass sich ein paar Konstanten gründlich verschoben haben. So geschieht es im bisher beschaulichen Schülerleben Shinichi Izumis (Shota Sometani). Zu seiner Entschuldigung kann immerhin angeführt werden, dass der recht drastische Akt adoleszenter Abnabelung mit einer Invasion außerirdischer Killerparasiten in Zusammenhang steht.

Kiseiju, die Geschichte Shinichis, basiert auf Hitoshi Iwaakis äußerst populären Manga, welcher auch bereits für eine Anime-Serie adaptiert wurde. Takashi Yamazaki, Regisseur japanischer Blockbuster und Spezialist für visuelle Effekte, hat daraus zwei vollgepackte Realfilme gezimmert, deren erster, bei der Viennale zu sehende Teil die Entwicklung seines Protagonisten vom Durchschnittssohn zum Mutantenschächter nachzeichnet. Der große Kampf gegen die Invasoren bleibt zwar noch ausgespart, doch Parasyte: Part 1, so der internationale Verleihtitel, kann auch alleine überzeugen.

Der Auftakt kann als eine Art Body-Snatcher-Comedy beschrieben. Rätselhafte Kleintiere – Ohrwürmern nicht unähnlich – nisten sich dabei in Menschenhirnen ein, um ihre Wirte in formenwandelnde Kannibalen zu verwandeln. Ein Schmarotzer hat es auch auf Shinichi abgesehen, schafft es jedoch nur, mit dessen rechten Unterarm zu verschmelzen. Migi nennt sich das nüchterne Wesen, das die Hand des Schülers nun nach Belieben kontrolliert, Finger wahlweise in Stielaugen oder Klingen verwandelt. Man einigt sich auf eine symbiotische Beziehung, die sich bald gegen Migis mörderische Artgenossen beweisen muss. Während die beiden in jeder Hinsicht mehr und mehr zusammenwachsen, wird der Tonfall zunehmend ernster: von den Aliens kontrollierte Menschen infiltrieren alle Ebenen der Gesellschaft, und in Shinichis Schule droht ein Gemetzel.

Um den ganzen Plot in zwei Spielfilmen unterzubringen, muss das Tempo hochgehalten, müssen einige Feinheiten der Vorlage geopfert werden. Fragen nach dem Wert von Leben, dem Leib-Seele-Problem oder der Pubertät können maximal angerissen werden, die Figurenzeichnung bleibt mitunter oberflächlicher als in Iwaakis Manga. Fans der ersten Stunde mag das sauer aufstoßen, in Summe bleibt Kiseiju aber noch immer ein rasantes Vergnügen mit wohldosiertem Witz, Action und halbierten Schulmädchen. (Dorian Waller, 27.10.2015)

28. 10., Gartenbau, 23.00 2. 11.,Stadtkino, 11.00

  • Die rechte Hand in außerirdischem Besitz: In "Kiseiju" nisten sich Schmarotzer aus dem All in menschlichen Körpern ein.
    foto: viennale

    Die rechte Hand in außerirdischem Besitz: In "Kiseiju" nisten sich Schmarotzer aus dem All in menschlichen Körpern ein.


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