Das richtige Gemisch

27. Oktober 2015, 17:07
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Festivalatmosphäre benötigt die richtigen Rahmenbedingungen

Also ziemlich ereignislos, die Viennale?" – Post im Mailfach, doch ich zögere mit der Antwort. Der Mangel an Ereignissen muss ja kein Schaden sein. Die lautesten, die leider auch am schnellsten in Umlauf geraten, stören meist nur, weil sie von dem ablenken, was bei einem Filmfestival im Mittelpunkt stehen sollte: die Filme und der Austausch darüber. Festivalatmosphäre ist das sensible Gemisch, das irgendwo dazwischen entsteht. Es benötigt die richtigen Rahmenbedingungen. Man steigt spät in der Nacht in der Viennale-Zentrale ab und findet sich in gleich mehreren Gesprächen in der unerwarteten Situation, Isiah Medinas Debüt 88:88 in Schutz nehmen zu müssen.

Mehr offizielle Termine, in denen es um die Verdichtung und die Debatte der angebotenen Filme geht, könnte die Viennale allerdings schon vertragen – andere Festivals bieten längst Master-Classes an, in denen Filmemacher Einblicke in ihre Arbeitsweise gewähren. Auch hätte man gern etwas über Pedro Costas Auswahl der Filme seines Landsmannes Manoel de Oliveiras erfahren, zumal Non, ou a vã glória de mandar in seiner pikaresken Bearbeitung der portugiesischen Geschichte Verbindungen zu dessen eigenen Arbeiten nahelegt.

Klar kann man sagen, die Filme sprechen für sich. Festivals können aber auch den Dialog erleichtern. (Dominik Kamalzadeh, 27.10.2015)

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