Mysteriöses Walsterben: Mutmaßlicher Täter gefunden

30. Oktober 2015, 18:01
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Die ungeklärten Todesfälle hunderter Glattwal-Kälber könnten nun geklärt sein: Wissenschafter sehen eine deutliche Korrelation mit giftigen Algenblüten

Monterey – Das Sterben der Glattwalkälber begann im Jahr 2005 und dauerte mehrere Jahre an. Nie zuvor hatten Wissenschafter Vergleichbares in der Gegend der Halbinsel Valdes in Argentinien– ein wichtiges Geburtsgebiet für Glattwale – beobachtet. Die durchschnittliche Zahl von Todesfällen war um mehr als das Zehnfache angestiegen: Von weniger als sechs vor dem Jahr 2005 zu 65 pro Jahr von 2005 bis 2014. Bei etwa 90 Prozent der Todesfälle handelte es sich um Kälber unter drei Monaten.

Doch was war die Ursache? Wissenschafter konnten nun endlich einen Hauptverdächtigen identifizieren: Giftige Algenblüten derselben Gattung, aufgrund derer auch die dortigen Muschelkulturen manchmal geschlossen werden müssen. In einer kürzlich erschienenen Publikation im Journal "Marine Mammal Science" fanden Wissenschafter der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) heraus, das die Todesfälle von Walen und die Konzentrationen der toxischen Alge Pseudonitzschia eng korrelierten.

Ein üblicher Verdächtiger

Dass Massenauftreten giftiger Algen negative Konsequenzen für die marinen Ökosysteme haben, war soweit nichts Neues. "Ungewöhnlich ist jedoch, wie lange diese Algenblüten auftraten und dass das Sterben der Kälber von 2007 bis 2013 anhielt", so die Studienautorin Cara Wilson.

Die Glattwale sind Planktonfresser und filtern die giftigen Algen direkt aus dem Meerwasser. Zudem nehmen sie die Toxine auch über ihre Nahrung – planktonische Organismen, die sich selbst von den Algen ernähren – auf. Dennoch fand man nur in wenigen Walen Nachweise für hohe Dosen von Domoinsäure, dem Giftstoff von Pseudonitzschia.

Hauptsächlich Kälber betroffen

Die Situation bei den Kälbern könnte jedoch eine andere sein. Frühere Studien zeigten, dass bereits geringe Dosen des Giftes, die für die erwachsenen Tiere kein Problem darstellen, für die ungeborenen Kälber sehr schädlich sind. Während die erwachsenen Tiere das Gift mit ihrem Kot und Urin ausscheiden, werden die Föten direkt darin gebadet, mit drastischen Folgen.

Ein eindeutiger Beweis für die Alge als Täter ist das dennoch nicht: "An Landtieren könnte man so etwas leicht erforschen, aber da sich Wale im Wasser aufhalten, sind die Nachweise rar gesät", so der Koautor der Studie Gregory Doucette. Die Korrelation allein ist den Wissenschaftern zufolge zwar noch kein Beweis, aber doch ein deutlicher Hinweis.

Die Ergebnisse sind trotzdem auch weit über die Grenzen von Argentinien hinaus von Bedeutung. Sie zeigen schließlich, dass auch die größten Lebewesen im Ozean von toxischen Algen betroffen sind. Algenblüten sollen aufgrund des Klimawandels weltweit im Ansteigen begriffen sein. (rede, 30. 10. 2015)

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    foto: andrea chirife
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