AT&S baut Geschäft in China aus

27. Oktober 2015, 15:22
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Smartphones bleiben Treiber des Geschäfts – Zertifizierung des neuen Werks in Chongqing bis Jahresende erwartet

Der börsennotierte steirische Leiterplattenhersteller AT&S hat zum Halbjahr eine positive Zwischenbilanz gezogen. Treiber im Geschäft bleiben die Smartphones, schilderte Vorstandschef Andreas Gerstenmayer am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien. Die Leiterplattenschmiede Austria Technologie & Systemtechnik AG mit Sitz in Leoben-Hinterberg setzt voll auf den Ausbau der Kapazitäten in China.

Stabiles Geschäft in Österreich

Von den insgesamt 8.555 Mitarbeitern zum Halbjahr 2015/16 entfallen bereits 1.152 auf Chongqing. In Österreich sei der Stand der Beschäftigten mit 1.250 Personen unverändert, erläuterte Gerstenmayer. Highlights gebe es hierzulande keine, die Geschäftsentwicklung laufe "stabil".

Das Wachstum lag in den ersten sechs Monaten deutlich über dem Markt, wobei die eine Hälfte organisch, die andere Hälfte durch Wechselkurseffekte zustande gekommen sei. Dementsprechend wurde die Umsatzprognose zum zweiten Mal im Geschäftsjahr angehoben. Mit dem bereits angelaufenen Weihnachtsgeschäft zeigt sich der CEO zufrieden.

Die großen Investitionen im chinesischen Werk Chongqing laufen auf Schiene: "Wir sind terminlich und inhaltlich gut unterwegs", betonte der CEO. Die Zertifizierung des Werks sollte bis Jahresende erreicht werden. Dann könne 2016 die Volumsproduktion in Chongqing beginnen.

Zwei Projekte in Chongqing

In der zentralchinesischen Stadt laufen zwei Projekte: Chongqing I ist für IC-Substrate (integrierte Schaltkreise) für Mikroprozessoren geplant, die in Notebooks und PCs zur Anwendung kommen. Hier wird der Produktionsstart Anfang 2016 erwartet. Chongqing II ist für sogenannte Substrat-ähnliche Leiterplatten für Wearables und andere High-End-Anwendungen gedacht, die Produktion soll in der zweiten Hälfte 2016 anlaufen.

Das Gesamtinvestment für Chongqing I (per Ende September 2015) beläuft sich auf 182,4 Mio. Euro. Mit dem Anlaufen der Produktion im vierten Quartal soll auch die Abschreibung der Investitionskosten beginnen.

Finanzvorstand Karl Asamer verwies auf die höheren Ertragskennzahlen: In den ersten sechs Monaten wurde das EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) um 29 Prozent auf 93,2 Mio. Euro gesteigert. Die EBITDA-Marge stieg im Vorjahresvergleich von 23,9 Prozent auf 24,1 Prozent. Das Konzernergebnis wuchs um 48,1 Prozent auf 42,1 Mio. Euro. Der Gewinn pro Aktie erhöhte sich von 0,73 auf 1,08 Euro.

Das Eigenkapital ging – trotz des höheren Konzerngewinns – wegen negativer Währungseffekte um 4,8 Prozent auf 575,1 Mio. Euro zurück. Die Eigenkapitalquote lag mit 47,2 Prozent um 2,3 Prozentpunkte unter dem Wert vom 31. März 2015. Der Nettoverschuldungsgrad stieg auf 33,8 Prozent.

Schuldscheindarlehen

Mit einem 220 Mio. Euro schweren Schuldscheindarlehen, das am 23. Oktober abgeschlossen wurde, wurde die Finanzierung ergänzt. Die neu aufgenommenen Mittel sollen die vorzeitige Refinanzierung der Anleihe sicherstellen und werden weiters zur Optimierung der Verbindlichkeiten verwendet.

Eher enttäuscht zeigten sich die Vorstände von der Kursentwicklung der Aktie, die im ersten Geschäftshalbjahr (1. April bis 30. September) 11,55 Prozent verloren hat. AT&S weise mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 9,2 das im Vergleich zu den Wettbewerbern günstigste KGV auf. Gerstenmayer sieht für die Aktie noch Potenzial. Zur Dividendenentwicklung wollte er sich nicht äußern.

Industrie 4.0

Die Nachfrage nach AT&S-Erzeugnissen werde durch neue Geschäftsfelder im Sinne von "Industrie 4.0" weiter angekurbelt, zeigte sich der Manager überzeugt. Auch im Verkehr werde bald die Elektronik ganz das Steuer übernehmen: Das autonome Fahren werde ab dem Jahr 2020 zunächst auf Autobahnen kommen, "wenn es der Gesetzgeber bis dahin geregelt hat".

Unverändert bleibt die Eigentümerstruktur. Kernaktionäre sind die Androsch-Privatstiftung (16,3 Prozent) und die Dörflinger-Privatstiftung (17,8 Prozent), der Rest (65,9 Prozent) ist im Streubesitz. (APA, 27.10.2015)

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