Turn-WM: Frauen gut, Männer verpassen Rio-Quali

27. Oktober 2015, 15:36
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Österreichs Turnerinnen und Turner schnitten bei der WM in Glasgow höchst unterschiedlich ab

Glasgow/Wien – Freud und Leid lagen bei der WM im Kunstturnen in Glasgow besonders eng beisammen. Die Medaillen werden noch bis Sonntag vergeben, mit 594 Aktiven aus 87 Ländern ist es größte die Turn-WM aller Zeiten – für Österreichs Männer und Frauen ist das Großevent aber schon vorbei. Niemand qualifizierte sich fürs Team- oder Einzelfinale.

Stabile Damen

Grund zur Enttäuschung ist das nur für die Damen keiner. Am Ende des zweitägigen Qualifikationsdurchganges konnten sich Elisa Hämmerle, Lisa Ecker, Jasmin Mader, Olivia Jochum und Marlies Männersdorfer über den guten 23. Teamrang freuen. Zwar einen Platz schlechter als noch 2014, aber für den österreichischen Fachverband für Turnen dennoch eine "Bestätigung und Fortsetzung der positiven Entwicklung der letzten Jahre".

Fröhliche Gesichter auch deshalb, weil Ecker und Hämmerle im Rennen um das eine Olympiaticket gut abschnitten. Hämmerle gelang ein neuer persönlicher Rekord, Ecker kam ohne Sturz durch die vier Geräte. Dass beide Turnerinnen zum Olympic Test Event nach Rio fahren dürfen, wo im April die letzten Tickets vergeben werden, war auf Grund der Vorleistungen schon festgestanden. In Glasgow gab es die erste Chance für die Olympia-Quotenplätze: eine Einzelgeräte-Medaille zu holen oder unter den besten acht Teams der Welt zu landen, war aber für Damen und Herren fernab der Möglichkeiten.

Enttäuschte Herren

Ganz vom Tisch ist Olympia für Österreichs Herren. Im Team herrscht Ratlosigkeit – der Wettkampf misslang sowohl Fabian Leimlehner, Österreichs aktuell bestem Turner und Olympia-Teilnehmer von 2012, als auch Lukas Kranzlmüller und Vinzenz Höck, dem Junioren-Europameister 2014 an den Ringen. Bei allen drei lag das Endergebnis rund vier Punkte unter dem normalen Niveau, Nationaltrainer Petr Koudela hatte keine konkrete Erklärung: "Wir waren ausgezeichnet vorbereitet. Es muss an der Psyche gelegen sein."

Grund für das schlechte Ergebnis waren die vielen Stürze. Sie werden ob neuer Wertungsvorschriften strenger geahndet. Über die "Traumnote 10.0" würde sich heute niemand mehr freuen, vielmehr sind die Noten nun nach oben offen, was Rekorde ermöglicht. Generell ist die Endnote aus Schwierigkeitsgrad und Ausführung zusammengesetzt, letzterem wird seit 2006 mehr Bedeutung zuerkannt. Sturzfrei bleiben lautet die Maxime.

Zweikampf um Olympiaticket

Lisa Ecker ist das zum vierten Mal in Folge gelungen, worüber sie sich nach dem Wettkampf "besonders gefreut" hat, sagt die 23-Jährige Linzerin. "Oben bleiben" war auch das Ziel von Elisa Hämmerle, was ihr nicht ganz gelang. Dennoch Punkterekord. Sie ist glücklich über die beiden neuen Elemente, die sie in Glasgow zeigen konnte: einen doppelten Rückwartssalto als Abgang vom Schwebebalken und einen Doppelsalto rückwärts mit einer Schraube am Boden. Beiden war die WM für Selbstvertrauen in der Olympiavorbereitung wichtig.

In Rio antreten wird schlussendlich nur eine, das steht fest. Hämmerle und Ecker liefern sich seit Jahren ein Kopf-an-Kopf-Rennen – wie so oft wird auch beim Test Event die Tagesform entscheiden. "Wer oben bleibt, hat das Ticket", sagt Ecker. Die Konkurrenz merke man natürlich in den Wettkämpfen, "aber sonst verstehen wir uns gut", sagt Hämmerle über den Zweikampf. Die 19-jährige Lustenauerin konzentriert sich seit der im Sommer abgelegten Matura voll aufs Training, sechs bis acht Stunden jeden Tag.

2012 hatte sie nur knapp das Nachsehen gegenüber Barbara Gasser gehabt, die in London Österreichs erste Olympia-Turnerin seit 48 Jahren war. Hämmerle kann sich vorstellen, nach Rio 2016 noch weiterzuturnen. Für Ecker hingegen wären die Olympischen Spiele der Höhepunkt und "ein schönes Karriereende". (Lara Hagen, 27.10.2015)

Die Bewertungskriterien für die Turnerinnen und Turner sind hier genauer erklärt.

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    Elisa Hämmerle bei ihrer Bodenübung. In der ersten Akrobatik-Bahn zeigt die 19-Jährige den Doppelsalto mit Schraube – in der Fachsprache Tsukahara genannt.

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    Lisa Ecker bei ihrer Übung am Stufenbarren.

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    Fabian Leimlehner am Seitpferd, wo der Sturz vom Gerät die Hoffnung um den Verbleib in der Olympiaqualifikation beendete.

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