Die Wissenschaft hat festgestellt, wie das ideale Selfie aussieht

27. Oktober 2015, 13:49
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Zwei Millionen Selfies mit einem künstlichen, neuralen Netzwerk analysiert

Wir befinden uns im Jahrzehnt der Selfies. Dem Trend ist zu verdanken, dass die Frontkameras der Smartphones deutlich verbessert wurden und die neue Produktkategorie Selfiestick erfunden wurde. Nicht selten treibt die Qualität der Selbstportraits aber eiskalte Schauer über den Rücken. Wie man bessere Selfies aufnimmt, hat ein Forscher an der Universität Stanford untersucht.

Zwei Millionen Selfies analysiert

Andrej Karpathy beschäftigt sich mit Deep Learning. Dabei werden künstliche, neurale Netzwerke mit riesigen Datenmengen gefüttert um zu sehen, wie und was sie lernen. Sogenannte Convolutional Neural Networks werden etwa zur Bild- und Spracherkennung eingesetzt. Ein solches Netzwerk hat Karpathy Selfies aus dem Web analysieren lassen.

Dazu musste das Netzwerk mit verschiedenen Labels auf die Selfies trainiert werden. Der Prozess sei vergleichbar damit, einem Kleinkind viele verschiedene Bilder zu zeigen und ihm beizubringen, wie Objekte in den Bildern zu unterscheiden sind, schreibt Karpathy in einem Blogeintrag. Mithilfe eines Skripts hat der Forscher fünf Millionen Fotos gefunden, die als Selfie markiert waren. Basierend auf der Zahl der Likes, Followers und Tags der Bilder hat Karpathy die Selfies in gute und schlechte eingeteilt. Letztendlich wurde das Netzwerk mit einer Million guter und einer Million schlechter Selbstportraits gefüttert. Das Ergebnis ist eine Skala, anhand der gute und schlechte Selfies identifiziert werden können.

Gute Selfies

Demnach sollte das Gesicht ein Drittel des Fotos einnehmen und leicht geneigt sein. Der Kopf sollte oben etwas abgeschnitten sein. Auch übersättigte Farben und Filter, vor allem Schwarz-Weiß-Fotos, sowie Fotoränder kommen gut an. Diese Dinge kann jeder beachten, wenn er ein Selfie aufnimmt, das laut den Forschungsergebnissen von Karpathy bei anderen Internetnutzern gut ankommen soll. Worauf man aber wenig bis gar keinen Einfluss hat: Selfies von Frauen mit langen, offenen Haaren bekommen die meisten Likes und werden vom Netzwerk als am besten eingestuft.

Schlechte Selfies

Schlechter schneiden hingegen dunkle, körnige Fotos ab, die bei schlechten Lichtverhältnissen aufgenommen wurden. Der Kopf sollte nicht zu riesig auf dem Bild sein – man sollte also besser von Nahaufnahmen absehen. Und auch Gruppenfotos kommen nicht so gut an.

Wie gut oder schlecht sind nun die eigenen Selfies? Dafür hat Karpathy einen eigenen Twitter-Bot entwickelt, der auf das Netzwerk zurückgreift. Nutzer können ihre Selfies mit einer Mention an @deepselfie schicken und das Netzwerk analysiert das Foto automatisch. Nach etwa einer Minute wird das Ergebnis getweetet. (br, 27.10.2015)

  • Gute Selfies, schlechte Selfies – absteigend von oben links nach unten rechts.
    foto: andrej karpathy

    Gute Selfies, schlechte Selfies – absteigend von oben links nach unten rechts.

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