Künstler fordern Stopp von Funkhaus-Verkauf

27. Oktober 2015, 12:08
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Markovics, Menasse, Palfrader und Rabinowich fordern Einschreiten von Medienminister Ostermayer – ORF weist Vorwürfe zurück

Wien – "Finger weg vom Funkhaus!" fordern namhafte Künstler in einem offenen Brief an den ORF-Stiftungsrat und an Medienminister Josef Ostermayer (SPÖ). Der öffentlich-rechtliche Sender plant den Verkauf des historischen Gebäudes, das die ORF-Radios und das Landesstudio Wien beheimatet, und hat die Liegenschaft am Wochenende ausgeschrieben. Der Mindestpreis wurde mit 18 Millionen Euro angegeben, die Anbotsfrist endet am 11. November.

Künstler wie Karl Markovics, Gerhard Roth, Robert Menasse, Robert Palfrader, Erwin Steinhauer, Willi und Lukas Resetarits, Isolde Charim oder Julya Rabinowich drängten am Dienstag auf den Stopp des Verkaufsprozesses und der "stückweisen Demontage des Kultursenders Ö1" und verwiesen auf über 84.000 Unterzeichner einer Petition für den Erhalt von Ö1.

Künstler wollen von "drastischem Sparpaket" gehört haben

"Dieser demokratie- und kulturpolitisch so wichtige Sender ist in Gefahr. Gefährdet erscheint sogar – entgegen den Beteuerungen der Verantwortlichen – das Funkhaus als Baudenkmal und Kulturstandort. Was sich jetzt anbahnt, übertrifft alle Negativ-Prognosen", so die Kunstschaffenden, die auch von einem weiteren "drastischen Sparpaket" für Ö1 gehört haben wollen. "Ö1 soll bereits 2016 bis zu 1,3 Millionen Euro einsparen! Das ist nur durch Streichung ganzer Sendereihen möglich. Und das wird erst der Anfang sein", warnten die Funkhaus-Aktivisten.

Die ORF-Geschäftsführung wolle nämlich ab 2025 durch die Umsiedlung der Radios ins ORF-Zentrum am Küniglberg zehn Millionen Euro jährlich einsparen. "Das kann nur durch Reduktion von Personal und Programmbudgets gehen." Die Aktivisten befürchten zudem, dass das Funkhaus unter Marktwert verkauft werde. "Da verscherbelt die ORF-Führung das Tafelsilber." Die extrem kurze Ausschreibungsfrist von 19 Tagen lasse darüber hinaus die Vermutung zu, dass der Käufer längst feststeht. Die Ausschreibung sei so formuliert, dass nur kommerzielle Verwerter infrage kommen, so die Kritik der Künstler.

Betriebsrat protestiert gegen "Unsinn"

Kritik am geplanten Verkauf des ORF-Funkhauses in Wien kommt auch vom Betriebsrat der ORF-Radios. Die ORF-Geschäftsführung "ist in ihrer Sturheit konsequent und kompromisslos. Die Einleitung des Verkaufsprozesses ist keine Überraschung, sie wurde mehrfach auch öffentlich angekündigt. An unserem Widerstand gegen diese mehrfach unsinnige Aktion wird das nichts ändern. Im Gegenteil", schreiben die Radio-Betriebsräte in einem internen Newsletter an die Belegschaft.

"Die ORF- Geschäftsführung hat also alle Weichen gestellt, um den höchst umstrittenen und mit unabsehbaren Folgen für Programmqualität und Personal verbundenen Konzentrationsprozess aller Wiener Radio- und Fernsehsender so rasch wie möglich voranzutreiben. An uns wird es jetzt liegen, weiterhin gegen diesen Unsinn aufzutreten, und wenn wir es auch schon mehrfach und eindrucksvoll getan haben, diesen Prozess immer wieder aufs Neue zu hinterfragen und aufzuhalten", so die Radio-Betriebsräte.

ORF weist Vorwürfe zurück

Der ORF reagierte am Nachmittag mit einer Aussendung auf den offenen Brief der Künstler. Man solle keine "Halb- und Unwahrheiten" verbreiten, denn das würde "der intellektuellen Redlichkeit der unterzeichnenden Personen nicht gerecht werden", so der Rundfunk. Die Verkaufsfrist betreffe lediglich die "erste Phase der Interessensbekundung". Auch dass ein Käufer bereits feststehe, dementiert der Sender.

Dass das Mindestgebot von 18 Millionen Euro im offenen Brief "zum angepeilten Verkaufspreis hochstilisiert wurde, macht das Motiv des 'offenen Briefs' allzu sehr durchschaubar". (APA, red, 27.10.2015)

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