Marlene Streeruwitz erhält Franz-Nabl-Preis der Stadt Graz

27. Oktober 2015, 12:03
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Mit 14.500 Euro dotiert – Jury: "Unablässiges Ringen um eine genuin weibliche Sprache"

Graz – Marlene Streeruwitz erhält den mit 14.500 Euro dotierten Franz-Nabl-Preis. Die Auszeichnung wird seit 1975 alle zwei Jahre vergeben und ist der höchstdotierte Literaturpreis der Stadt Graz. Zu den bisherigen Preisträgern zählen unter anderem Josef Winkler, Norbert Gstrein, Herta Müller, Barbara Frischmuth und zuletzt Florjan Lipus. Die Verleihung findet am 14. Dezember im Literaturhaus Graz statt.

Streeruwitz vertritt laut Jury-Begründung "einen dezidiert feministischen Standpunkt, der Teil eines umfassenden politischen Engagements ist. Mutig und kompromisslos bezieht sie immer wieder Stellung zu Grundsatzfragen von Politik, Gesellschaft und Kultur, mischt sich vielfach aber auch in tagespolitische Angelegenheiten ein", wie es auf der Website der Stadt Graz heißt.

Eigenwillige Zeichensetzung

"Ihr Werk versteht sich als unablässiges Ringen um eine genuin weibliche Sprache, im Wissen darum, dass das männlich geprägte System der Sprache nicht einfach aufzubrechen und zu ersetzen ist. Dennoch ist es ihr gelungen, vor allem mittels einer höchst eigenwilligen Zeichensetzung (Stichwort: der Punkt als Würgemal) einen unverwechselbaren Sprachduktus zu etablieren, der jeden ihrer Texte kennzeichnet", so die Jury weiter.

Streeruwitz wurde am 28. Juni 1950 in Baden bei Wien geboren, ab 1986 trat sie mit literarischen Veröffentlichungen und als Verfasserin von Hörspielen in Erscheinung. 1996 erschien ihr erster Roman "Verführungen.", der ihr den Mara-Cassens-Preis einbrachte. Im Jahr darauf folgte "Lisa's Liebe.", ein dreibändiger "literarischer Groschenroman" über eine Frau auf der Suche nach der großen Liebe.

Nominierung für Deutschen Buchpreis

Streeruwitz widmete sich in der Folge zunehmend dem Prosa-Schreiben – unter anderem erschienen der Roman "Nachwelt." (1999), die Erzählung "Majakowskiring." (2000) und die Romane "Partygirl." (2002) und "Jessica, 30." (2004). In "Die Schmerzmacherin." (2011) absolviert eine junge Frau eine Ausbildung zur Angestellten eines internationalen Sicherheitsunternehmens, wird aber mit beinharten Trainings und undurchschaubaren Vorgängen konfrontiert, denen sie sich nicht gewachsen fühlt. Der Roman brachte Streeruwitz eine Nominierung für den Deutschen Buchpreis.

Das Thema Deutscher Buchpreis ließ sie in der Folge nicht mehr los. 2014 landete sie mit "Nachkommen." einen literarischen Coup: In dem Buch reist die für den Buchpreis nominierte Protagonistin Nelia Fehn mit ihrem Debüt-Roman "Die Reise einer jungen Anarchistin in Griechenland" nach Frankfurt, wo sie tiefe Einblicke in die Literaturbetriebsmaschinerie erhält. "Nachkommen." schaffte es immerhin auf die Longlist. (APA, 27.10.2015)

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