Türkei: Mutmaßliche IS-Anhänger festgenommen

27. Oktober 2015, 14:38
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Polizeieinsatz in konservativer Hochburg in Zentralanatolien – Türkische Armee greift zugleich Kurden in Syrien an

Ankara – Die türkische Regierung hat ihre Kampagne gegen Extremisten wenige Tage vor der Parlamentswahl fortgesetzt: Bei mehreren Razzien nahm die Polizei am Dienstag 71 mutmaßliche Mitglieder der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) fest, wie die Nachrichtenagentur Dogan berichtete. Die Armee stoppte an der Grenze zu Syrien nach eigenen Angaben 17 IS-Sympathisanten. In der Osttürkei wurden zudem 13 Anhänger der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) festgenommen.

Am Montag waren in Diyarbakir im Südosten der Türkei neun Menschen bei einer Polizeirazzia gegen mutmaßliche IS-Anhänger getötet worden: zwei Polizisten und sieben mutmaßliche IS-Mitglieder.

Vorwurf der Untätigkeit

Der islamisch-konservativen Regierung in der Türkei war nach dem Anschlag auf eine Friedensdemonstration in Ankara am 10. Oktober, bei dem 102 Menschen getötet worden waren, Untätigkeit und Nachlässigkeit gegenüber den IS-Extremisten vorgeworfen worden. Die Behörden sehen den IS, der in Syrien und im Irak unter anderem gegen kurdische Einheiten kämpft, als Hauptverdächtigen für den doppelten Selbstmordanschlag.

Erst nach dem Blutbad in Ankara hatte die Polizei ihr Vorgehen gegen die Jihadisten sichtlich verstärkt. Der IS wird auch für Anschläge auf prokurdische Veranstaltungen in Diyarbakir und in der Stadt Suruc an der syrischen Grenze verantwortlich gemacht, bei denen im Juni und im Juli insgesamt fast 40 Menschen getötet worden waren.

Angriffe auf Kurden in Syrien

Zugleich gehen die türkischen Streitkräfte auch gegen kurdischer Kämpfer in Syrien vor: "Wir haben zwei Mal angegriffen", sagte der türkische Regierungschef Ahmet Davutoglu am späten Montagabend in einem Fernsehinterview. Ankara habe die kurdische Partei PYD gewarnt, den Euphrat nicht Richtung Westen zu überqueren, sagte er zur Begründung. Ob die kurdischen Einheiten aus der Luft oder von Bodentruppen angegriffen wurden, blieb zunächst unklar, ebenso wann die Angriffe genau erfolgten und ob es Opfer gab.

Die Gewalt überschattet den Wahlkampf. Am Sonntag wird in der Türkei ein neues Parlament gewählt. (APA, 27.10.2015)

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