Mafia-Verdacht: Kein Pardon für Unicredit-Vize

26. Oktober 2015, 18:18
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Ermittlungen gegen Unicredit-Vizepräsident Fabrizio Palenzona dürften zu seiner Absetzung führen

Nicht nur der angebliche Verkauf des Privatkundengeschäfts der Unicredit-Österreich-Tochter Bank Austria an die Bawag (BA) sorgt für Gesprächsstoff in Mailand. Auch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft von Florenz gegen Unicredit-Vizepräsident Fabrizio Palenzona und seine engsten Mitarbeiter stehen zur Diskussion. Angeblich sollen noch vor Veröffentlichung des Geschäftsplanes am 11. November personelle Konsequenzen gezogen und die Governance-Regeln geändert werden. "Es wird zu Veränderungen kommen", heißt es in der Mailänder Zentrale.

Die Anti-Mafia-Direktion in Florenz verdächtigt den Vizepräsidenten von Unicredit, Fabrizio Palenzona, der angeblichen Begünstigung von Mafia-Geschäften. Die Büroräume Palenzonas wurden bereits durchsucht und Dokumente beschlagnahmt. Der 62-Jährige weist jegliche Beschuldigung zurück. Angeblich hat der Banker die sizilianische Cosa Nostra gefördert, indem er mit dem süditalienischen Unternehmer Andrea Bulgarella kooperierte. Dieser steht im Verdacht, ein enger Mitarbeiter des seit zehn Jahren flüchtigen Mafiabosses Matteo Messina Denaro zu sein. Die Ermittlungen kreisen um mutmaßlich illegale Aktivitäten des Unternehmers in der Toskana.

Protest seitens Großaktionären

Der "Fall Palenzona" stand vor wenigen Tagen bei der Unicredit-Verwaltungsratssitzung auf der Tagesordnung. Der Verwaltungsrat hatte den politisch mächtigen Palenzona, der unter anderem auch Präsident des Airports von Rom (AdR) ist, zwar sein Vertrauen ausgesprochen. Aber angeblich sollen die Großaktionäre von Unicredit aufgemuckt haben. Allen voran der größte Einzelaktionär, die Fondsgesellschaft Aabar aus Abu Dhabi. Auch die Europäische Zentralbank soll eine Kopie der von der Bank eingeleiteten Untersuchungen angefordert haben.

Einer der drei Vizepräsidenten von Unicredit, Ex-Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo, fordert Klarheit. Es müsse alles getan werden, um den Ruf des Konzerns zu wahren. Er vertritt die Interessen des größten Aktionärs der Bank, des Staatsfonds aus Abu Dhabi Aabar. Das Vertrauen der Aktionäre sei auch im Hinblick auf die Präsentation des Geschäftsplanes am 11. November nötig, der nicht nur einschneidende Maßnahmen bei der Bank Austria, sondern auch Kostenschnitte in Italien, Deutschland und Osteuropa vorsehen soll.

So sollen in Kürze Risk-Manager Massimiliano Fossati und Alessandro Cassati, der für das Corporate und Investmentbanking in Italien zuständig ist, ersetzt werden. Roberto Mercurio, persönlicher Assistent Palenzonas, hatte bisher keine offizielle Position bei Unicredit, soll aber inzwischen zum "unerwünschten Gast" erklärt worden sein. Die Anti-Mafia-Direktion ermittelt auch gegen Mercurio sowie gegen Fossati und Cassati. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, 27.10.2015)

  • Im Sog von Anti-Mafia-Ermittlungen dürfte es in der Mailänder Unicredit-Zentrale zum Sesselrücken kommen: In den Skandal verwickelte Manager sollen ausgewechselt werden.
    foto: reuters / stefano rellandini

    Im Sog von Anti-Mafia-Ermittlungen dürfte es in der Mailänder Unicredit-Zentrale zum Sesselrücken kommen: In den Skandal verwickelte Manager sollen ausgewechselt werden.

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