Rosberg über Hamilton: "Er versucht, mich verhungern zu lassen"

26. Oktober 2015, 17:13
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Kappenwurf und Wut des Deutschen auf britischen Weltmeister

Austin – Der Anblick des überglücklich feiernden Lewis Hamilton wurde für Nico Rosberg zu einer einzigen Qual. In den unbändigen Jubelrausch des nun dreifachen Formel-1-Weltmeisters aus Großbritannien platzte Rosberg mit einem Wutausbruch samt Kappenwurf und Ego-Vorwürfen.

"Mein Teamkollege versucht, mich verhungern zu lassen", wütete Rosberg und legte mit versteinerter Miene nach: "Dass er in mich reinfährt, ist ein Schritt zu viel für mich." Nach dem gemeinsamen Teamfoto um Hamilton verschwand Rosberg so schnell es ging. Den Anblick des jubelnden Briten mit dem Union Jack über den Schultern inmitten der feiernden Mercedes-Crew konnte der wieder einmal geschlagene Deutsche einfach nicht ertragen.

Noch bevor es aufs Podium ging, hatte Rosberg sogar eine Sponsorenkappe Hamilton sichtlich verärgert wieder zurückgeworfen. Als "normale Spielchen" tat es der aktuelle WM-Dritte anschließend ab. So sah es allerdings nicht aus.

Des einen Freud

Hamilton hielt sich mit Rosbergs Vorwürfen zum kompromisslosen Überholmanöver in der ersten Kurve des spektakulären Großen Preises der USA gar nicht lange auf. Er genoss lieber den "größten Moment" seiner Karriere nach dem dritten Gewinn der Weltmeisterschaft nach 2008 und 2014. "Für mich war es immer das Ziel, diese drei wie Ayrton Senna zu schaffen", betonte Hamilton.

Er ist der erste britische Pilot, dem eine Titelverteidigung gelang. Hamilton zog zudem mit der britischen Rennlegende Sir Jackie Stewart gleich – und mit Mercedes-Teamaufsichtsratschef Niki Lauda. "Er ist noch schneller als im vergangenen Jahr, das ist es, was man als Weltmeister machen muss", meinte der Österreicher und prophezeite. "Er wird noch mehr gewinnen, wenn er so weiter macht."

Wenn es hingegen für Rosberg so weitergeht, wird er auf seinen ersten Titel weiter warten müssen. Zumal Sebastian Vettel nach dem vorzeitigen Aus im Titelkampf durch Hamiltons Triumph im viertletzten Saisonrennen erst recht im kommenden Jahr attackieren will. "Es ist kein gutes Gefühl, wenn du weißt, dass du nicht mehr um die WM mitkämpfen kannst", erklärte Ferrari-Star. "

"Feinde im gleichen Team"

Spürbar bemüht waren die Teamverantwortlichen, die Attacke von Hamilton umgehend als zu hart zu deklarieren. Rosberg sei in Kurve eins vorne gewesen, meinte Teamchef Toto Wolff. So klar konnten die TV-Bilder das jedoch nicht belegen. "Ich finde, ich habe ein Recht auf ein Stück Strecke", reklamierte Rosberg und beklagte mehrfach die zu aggressive Fahrweise Hamiltons in der Szene. "Er hat es übertrieben."

Hamilton feierte bereits den zehnten Saisonsieg. Gewinnt er die nächsten drei Rennen auch noch, egalisiert er den Rekord von Michael Schumacher und Sebastian Vettel aus den Jahren 2004 und 2013. In seiner Karriere gelangen Hamilton bisher 43 Siege. Rosberg kommt in der aktuellen WM-Runde auf drei erste Plätze und insgesamt elf in seiner Laufbahn – das spricht auch für sich.

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff hofft, dass sich die Gemüter bald beruhigen werden. "Es ist jetzt ein kritischer Moment, um sicherzustellen, dass das Rennen und dieser Vorfall keine Konsequenzen innerhalb des Teams haben und die beiden Seiten der Garage spaltet", sagte Wolff.

Der Wiener glaubt an eine gütliche Lösung. "Ich denke, wir haben einige Erfahrung und wir müssen einfach einen ruhigen und haltbaren Ansatz finden, wie sie miteinander konkurrieren sollen." Wolff weiß aber auch, dass die Situation keineswegs einfach ist. "Sie sind Feinde im gleichen Team. Und es klar, dass wir nicht erwarten können, dass er in einer solchen Situation jubelt." (APA, 26.10.2015)

  • Nico Rosberg "weiß nicht, wie lange das noch gut geht" mit seinem Mercedes-Teamkollegen und mittlerweile Dreifach-Weltmeister Lewis Hamilton.
    foto: ap/gay

    Nico Rosberg "weiß nicht, wie lange das noch gut geht" mit seinem Mercedes-Teamkollegen und mittlerweile Dreifach-Weltmeister Lewis Hamilton.

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