Selbst Saisonarbeiten sind kaum zu ergattern

27. Oktober 2015, 05:35
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Asylwerber können um Grundversorgung umfallen. Neun verschiedene Regeln in den Bundesländern hemmen zusätzlich

Beim Thema Arbeitsmarktöffnung für Asylwerber gibt es in Österreich viele Hemmschwellen. Zwar haben die Saisonbranchen Landwirtschaft und Tourismus Bereitschaft signalisiert, schnell und unkompliziert den Arbeitsmarkt für Flüchtlinge zu öffnen – der Teufel steckt aber im Detail.

So gibt es neun unterschiedliche Regelungen, nämlich für jedes Bundesland, was die Zuverdienstgrenze für Asylsuchende betrifft. Hält die arbeitssuchende Person diese Bundesländerregeln nicht ein, fällt sie um die sogenannte Grundversorgung um. Diese ist zwar nicht hoch, hat aber trotzdem dazu geführt, dass von den 53.300 Personen, die Ende September Bezieher einer Grundversorgung waren, gerade einmal eine Handvoll von Personen eine landwirtschaftliche Saisontätigkeit anstrebten, heißt es aus der Landwirtschaftskammer (LWK): Ende März waren es 30 Personen; im Juli zwei. Im Tourismus ist die Lage ähnlich.

Kein Anspruch auf Mindestsicherung

Im Detail: Ein Asylsuchender in Österreich hat laut Flüchtlingsorganisation UNHCR keinen Anspruch auf Mindestsicherung, dafür aber auf eine "Grundversorgung" in der Höhe von monatlich maximal 320 Euro, für die er auch Ausgaben wie Miete, Heizung, Strom, Essen etc. begleichen muss. Eine fünfköpfige Familie kommt so auf insgesamt 910 Euro monatlich. Lebt ein Asylwerber wie meistens der Fall in einem Mehrbettzimmer, teilt sich Bad und Toilette und bekommt Essen gestellt, erhält er überhaupt nur 40 Euro pro Monat ausgezahlt. Als Saisonier darf er trotzdem nicht viel dazuverdienen. In Wien sind es beispielsweise 110 Euro.

Aufgrund der verschiedenen Regeln sei die Nachfrage überschaubar, heißt es aus der Landwirtschaftskammer, wo man für einen freien Arbeitsmarktzugang ab dem ersten Tag des Asylverfahrens eintritt.

Höchstens Pflichtschule

Die Öffnung dieser Saisonarbeitsbranchen wird auch deshalb als wichtig angesehen, weil die schulische beziehungsweise berufliche Ausbildung der Flüchtlinge nicht besonders hoch ist. Nach einer Auswertung des Arbeitsmarktservice, Stand Ende September, haben 82,3 Prozent der beim AMS gemeldeten anerkannten 18.968 Flüchtlinge höchstens einen Pflichtschulabschluss.

15 Prozent hatten eine dem Lehrabschluss vergleichbare Ausbildung. Mit 1000 Personen wird derzeit im Rahmen eines Pilotprojekts vom AMS sondiert, welche Berufe diese Personen genau haben und was gemacht werden muss, damit diese Ausbildung in Österreich anerkannt werden kann.

Nach dieser AMS-Auswertung vom September sind die wichtigsten Herkunftsländer Syrien und Afghanistan; drei Viertel sind Männer; 28 Prozent waren Jugendliche unter 25 Jahren. (Johanna Ruzicka, 27.10.2015)

  • Asylwerber als Erntehelfer: Viele Regelungen verhindern dies.
    foto: holger hollemann

    Asylwerber als Erntehelfer: Viele Regelungen verhindern dies.

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