Deutsche Börse fixiert Deal mit Chinesen

26. Oktober 2015, 15:54
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Der Chef der Deutschen Börse reist mit Angela Merkel nach China, ein Deal soll schon stehen. Andere Abkommen werden erwartet

Berlin/Frankfurt/Peking – Die Deutsche Börse wird bei der anstehenden China-Reise von Bundeskanzlerin Angela Merkel Regierungskreisen zufolge eine Kooperation mit Börsenbetreibern aus der Volksrepublik ins Trockene bringen. Dabei handelt es sich Finanzkreisen zufolge um das Gemeinschaftsunternehmen mit der größten chinesischen Börse Shanghai Stock Exchange (SSE) und der China Financial Futures Exchange (CFFEX).

Die Unternehmen hatten Ende Mai angekündigt, dass die in Frankfurt ansässige China Europe International Exchange im vierten Quartal an den Start gehen soll. Ihr Ziel ist es, den Handel mit chinesischen Finanzprodukten in Europa voranzutreiben. Die Deutsche Börse wollte sich dazu am Montag nicht äußern.

Weitere Abkommen

Am Rande von Merkels China-Reise, die am Mittwoch beginnt, sollen auch weitere Wirtschaftsabkommen unterzeichnet werden, hieß es in deutschen Regierungskreisen. Das Volumen werde aber nicht das Niveau der jüngsten chinesisch-britischen Wirtschaftsabkommen erreichen. Dennoch bleibe Deutschland mit weitem Abstand der wichtigste europäische Wirtschaftspartner der Volksrepublik. Das bilaterale Handelsvolumen mit Deutschland sei höher als das von Frankreich und Großbritannien zusammen, hieß es in Berlin. Die deutsche Regierung glaube überdies nicht, dass sich die Affäre um Abgas-Manipulationen bei Volkswagen negativ auf das Image der deutschen Wirtschaft in China auswirken werde.

Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter werde zur Delegation gehören, die mit Merkel nach China reist, sagte eine mit den Plänen vertraute Person. Kengeter hat als Investmentbanker einige Zeit im Reich der Mitte gearbeitet und spricht auch ein bisschen Chinesisch. Die Eröffnung einer Derivatebörse und eines Abwicklungshauses in Singapur hat er kürzlich zwar aufs Jahr 2017 verschoben. Er hat jedoch betont, dass er dennoch weiter auf eine Expansion in Asien setzt.

Vor allem kleine Firmen

Die China Europe International Exchange ist dabei eines der wichtigsten Projekte. Die Deutsche Börse und die SSE sollen daran jeweils 40 Prozent halten, die CFFEX 20 Prozent. Das Joint Venture soll chinesische Aktien, Anleihen und Indexfonds (ETFs) an internationale Anleger vertreiben, in den kommenden Jahren könnten auch Derivate wie Index-Futures dazukommen. Zudem will das Gemeinschaftsunternehmen chinesischen Firmen einen Börsengang in Frankfurt schmackhaft machen.

Bisher sind die Erfahrungen von Deutschlands größtem Börsenbetreiber in diesem Bereich allerdings sehr durchwachsen. Die Frankfurter Börse zog bisher vor allem kleine chinesische Firmen an, von denen einige mit Skandalen für Schlagzeilen sorgten. (APA, 26.10.2015)

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