Prozess gegen Scientology in Belgien eröffnet

26. Oktober 2015, 15:00
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Frühere Schatzmeisterin zu Finanzpraktiken befragt – Gruppe droht Verbot

Brüssel – In Brüssel hat am Montag der landesweit erste Prozess gegen zwei Scientology-Organisationen und führende Vertreter von Scientology wegen Betrugs und Erpressung begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft der Bewegung zudem "illegale medizinische Praktiken" und "Verletzung der Privatsphäre" vor.

Wie belgische Fernsehsender berichteten, wurde zum Auftakt des Verfahrens eine frühere Schatzmeisterin zu den Finanzpraktiken von Scientology befragt.

Der Frau zufolge belaufen sich die Einkünfte der umstrittenen Organisation auf wöchentlich rund 5000 Euro. Demnach arbeitete sie ehrenamtlich und war daher von Zahlungen an Scientology befreit. Ihr Mann dagegen zahlte umgerechnet fast 10.000 Euro. Sie habe praktisch Vollzeit für Scientology gearbeitet, sagte die frühere Schatzmeisterin aus. Um sich über Wasser zu halten, habe sie weitere Nebenjobs gehabt.

Bei einer Verurteilung und der möglichen Einstufung der Organisation als kriminell droht Scientology in Belgien ein Verbot. Scientology-Vertreter äußerten sich vor dem Verfahren vor dem Brüsseler Strafgericht zuversichtlich, die Vorwürfe ausräumen zu können.

Die in den 1950er Jahren vom Science-Fiction-Autor L. Ron Hubbard gegründete Scientology-Bewegung will nicht als Sekte bezeichnet werden. Sie gilt in den USA als Religion, in mehreren europäischen Ländern wird sie hingegen als Sekte eingestuft. (APA/AFP, 26.10.2015)

  • Der erste Tag des Prozesses gegen Scientology in Brüssel.
    foto: afp photo / belga / eric lalmand

    Der erste Tag des Prozesses gegen Scientology in Brüssel.

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