Hoffenheim: Erst Stevens, dann Nagelsmann

27. Oktober 2015, 17:09
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28-jähriger Julian Nagelsmann wird 2016 jüngster Bundesliga-Trainer aller Zeiten

Zuzenhausen –1899 Hoffenheim hat sich am Montag von Trainer Markus Gisdol getrennt. Der Niederländer Huub Stevens soll nun die Mannschaft aus dem Tabellenkeller führen. "Natürlich ist uns diese Entscheidung nicht leicht gefallen. Wir waren nach den ersten Gesprächen sofort davon überzeugt, dass Huub Stevens die optimale Lösung ist", sagte Sportchef Alexander Rosen.

Stevens, der einen Vertrag bis zum Saisonende erhält, hatte zuletzt den VfB Stuttgart zweimal nacheinander vor dem Abstieg gerettet. Gisdol war einst bei Schalke 04 Assistenztrainer von Stevens. Der 61-Jährige sitzt seit Juni im sportlichen Beirat der Gelsenkirchener.

Gisdols Abschied war nach nur sechs Punkten aus den zehn ersten Spielen und der 0:1-Heimniederlage zuletzt gegen den Hamburger SV erwartet worden. Der mächtige Mäzen Dietmar Hopp entschied nun gegen den 46-Jährigen, dessen Vertrag erst im Frühjahr bis 2018 verlängert worden war.

Rekord-Mann Nagelsmann

Auch Stevens Nachfolge ist schon geklärt: Nachwuchstrainer Julian Nagelsmann wird ab der kommenden Saison den Chefcoachposten übernehmen. Der 28-Jährige ist derzeit A-Jugend-Trainer und erhält einen Vertrag bis Mitte 2019. Nagelsmann wird dann der jüngste Bundesliga-Trainer aller Zeiten sein.

"Der Julian befindet sich momentan bei der Trainer-Ausbildung zum Fußballlehrer", sagte Sportchef Alexander Rosen am Dienstag. "Für uns war klar, dass wir dem Jungen eine Perspektive geben wollen. Er ist seit 2006 Trainer und passt einfach zu unserem Weg." Dies sei mit Stevens so abgesprochen. "Wir sind von seiner Qualität überzeugt, auch von seiner Autorität und Qualität. Julian Nagelsmann ist die Zukunft, Huub Stevens ist die Gegenwart", sagte Rosen.

Der derzeitige U19-Trainer der Hoffenheimer, der im vergangenen Jahr mit den Junioren die deutsche Meisterschaft gewann und in diesem Jahr mit seinem Team das Finale erreicht hatte, wird somit zum jüngsten Bundesliga-Trainer.

Nagelsmann, der aufgrund von Verletzungen seine aktive Karriere früh beenden musste, ist ein Schüler von Trainer Thomas Tuchel. Nagelsmann hat beim FC Augsburg für den Taktikfuchs von Borussia Dortmund gearbeitet. "Es ist ein fleißiger, wissbegieriger Trainer. Er hat seine Qualitäten im Nachwuchsbereich bewiesen. Ich hoffe, er erhält die nötige Unterstützung des Klubs. Ich traue ihm das zu 100 Prozent zu", sagte Tuchel. Seine A-Lizenz hat Nagelsmann mit der Note 1,0 erhalten. Er bezeichnet sich selbst als Perfektionist.

Häusliche Überzeugungsarbeit

Am Dienstag rückte aber zunächst Stevens in den Vordergrund. 157 Tage, nachdem er mit dem 2:1-Sieg in Paderborn dem VfB Stuttgart zum Klassenverbleib verholfen hat, ist er wieder zurück im Geschäft. Stark erkältet zwar, aber bester Laune. "Ich bin froh, dass ich nicht laut werden muss", scherzte er vor seiner ersten Übungseinheit. Von wegen "Knurrer von Kerkrade".

Bei der TSG sieht er offensichtlich eine größere Perspektive als den Abstiegskampf. "Jetzt versuchen wir, es hinzukriegen, in der Bundesliga zu bleiben – aber vielleicht auch weiterzukommen. Ich glaube schon, dass die Mannschaft da nicht hingehört."

Es sei schon schwer genug gewesen, sich von seiner Frau und dem Familienleben loszueisen. Stevens: "Es war nicht so einfach, die hatte andere Gedanken. Aber wenn du so viele Jahre verheiratet bist, dann kommst du da durch." (APA/sid, 26.10.2015)

  • Gestatten: Nagelsmann.
    foto: ap/ansbach

    Gestatten: Nagelsmann.

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